Das Unternehmerportal der Berliner Volksbank
Portraits

Vom Pädagogen zum Unternehmer: Thomas Timm und die Schelchen GmbH

FOTONACHWEIS
Foto: © Sabine Timm

Gegründet wurde die Schelchen GmbH bereits 1955 von ihrem Namensgeber Hartmut Schelchen. Angefangen hatte der Berliner als selbstständiger Handelsvertreter, der in seiner Privatwohnung Farben fürs Schuhefärben portionierte und erste Einlegesohlen aus Lammfell anfertigte. Als Nachfrage und Absatz stiegen, verlagerte Schelchen seine Produktion in einen angemieteten Kuhstall nach Berlin-Charlottenburg, stellte Mitarbeiter ein und produzierte zunächst unter der Marke „HS-Schuhbedarf“ handgefertigte Ledersohlen.

Es folgte ein Umzug in neue Geschäftsräume in Schöneberg. Das Angebot an hochwertigen Fußbettungen und Einlegesohlen wurde mit der stetig wachsenden Nachfrage erweitert. Dazu kamen Schuhformer, Schnürsenkel, Pflegemittel und weitere Accessoires rund um den gepflegten Auftritt. 1974 meldete Schelchen die eigene Marke pedag® an. Es dauerte drei Jahre bis das Patentamt grünes Licht gab.

Blick über den Tellerrand

Thomas Timm kam 1988 zum Unternehmen und arbeitete zunächst als Assistent von Hartmut Schelchen. Es gefiel ihm dort so gut, dass er Gesellschafter und 1995 schließlich selbst Geschäftsführer der Schelchen GmbH wurde. „Schon als Newcomer in der Firma habe ich erfahren, wie stark man mit engagierter Arbeit ein mittelständisches Unternehmen mitprägt“, blickt der heute 59-Jährige zurück. Es faszinierte ihn, wie schnell eigene Ideen im Gesamtauftritt sichtbar wurden. Er sah, dass es sich lohnte, über den Tellerrand zu blicken und sich mit hohem Verantwortungsbewusstsein einzubringen.

„Es ist fantastisch, wenn ein ganzes Team von Mitarbeitern aller Ebenen dies erkennt und ihre Firma so voranbringt“, schlägt Timm den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Längst ist die Schelchen GmbH ein Unternehmen, das seine Produkte weltweit vertreibt. Das Besondere: Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Vertrieb und Marketing finden komplett unter einem Dach in Deutschland vor den Toren Berlins statt.

Durch die Zusammenarbeit in einem Netzwerk leistungsfähiger Zulieferer, orthopädischer Experten und anderer Fachleute wird das Firmen-Know-how stetig aktualisiert und erweitert. Dabei fließen konstant die Kundenfeedbacks und Vertriebserfahrungen aus rund 50 Ländern ein und helfen bei der Entwicklung neuer Produktlinien wie der unlängst ins Leben gerufenen „pedag®-Sportsline“ oder Innovationen wie der Wohlfühlsohle „Magic Step Plus“ – der ersten Fußbettung mit Memoryschaum.

Handarbeit und Naturmaterialien

Die pedag®-Produkte sollen den Kunden dabei helfen, bequemer und gesünder zu leben. Wer verbreitete Fehlstellungen wie Knick-, Senk-, Spreiz- oder Plattfüße nicht langfristig ausgleicht, bekommt in der Regel nicht nur Fuß- sondern auch Rückenprobleme. Auch wer seine Füße als Sportler, Wanderer oder Trägerin hoher Pumps besonderen Belastungen aussetzt, profitiert von den komfortablen Einlagen made in Germany. Dabei setzt die Firma wie schon ihr Gründer auf Handarbeit und Naturmaterialien, ohne neue innovative Materialien, zum Beispiel aus dem Sportbereich, zu vernachlässigen.

Die Geschäftsleitung teilt sich Thomas Timm seit Mitte der 1990er mit seiner Frau Sabine und dem gebürtigen Rügener Tilo Bürger. Sabine Timm unterstützt das Unternehmen in punkto Markenrecht und Außenkommunikation. Tilo Bürger verantwortet die Produktion, IT sowie das Controlling. „Er muss all das einhalten, was ich unseren Kunden in Vertrieb und Marketing verspreche“, sagt Thomas Timm augenzwinkernd über seinen 51-jährigen Kollegen.

Seinen „pädagogischen Umweg“ bedauert Timm keinesfalls: „Die Erfahrungen als ausgebildeter Lehrer, erfahrener Teamer für wirtschaftspolitische Themen und ehemaliger Gewerkschaftssekretär helfen mir sehr bei meiner Arbeit.“ Timm arbeitet gerne mit Menschen, vermittelt zwischen Positionen und Bedürfnissen und ist gut darin, komplexe Sachverhalte anschaulich darzustellen. Fairness ist für ihn nicht bloß eine Floskel.

Immer mit Plan B arbeiten

Ob in der Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder den zahlreichen Lieferanten: Timm setzt auf transparente Kommunikation und faire Lösungen. Dabei hat er gelernt, dass an Murphys Gesetz etwas dran ist: „Was schief gehen kann, geht schief“, sagt Timm lachend. „Aber so lernen wir auch alle dazu. Und haben als Geschäftsführer immer einen Plan B in der Tasche.“

Zum Thema „Fairness“ gehört für Timm auch, in Deutschland zu produzieren, obwohl das nicht immer einfach ist. „Irgendwie scheinen alle zu meinen, die deutsche Wirtschaft bestünde nur aus Konzernen und Dienstleistungsunternehmen“, sagt er. „Entsprechend sind die Rahmenbedingungen für mittelständische Produktionsbetriebe ausbaufähig.“ Timm erklärt, dass die Schelchen GmbH immer wieder mit konkurrierenden Angeboten aus Niedriglohnländern konfrontiert wird. Seiner Ansicht nach werden dabei oft sowohl Menschen als auch die Umwelt ausgebeutet. Ein Vorgehen, bei dem er nicht mitmachen will.

Agenda für die nächsten Jahre

Langfristig plant Timm, dass die Firma auch ohne ihn laufen kann.„Meine Arbeit macht mir riesigen Spaß“, sagt er, „aber ich bin nun mal nicht unsterblich.“ Die Agenda für die nächsten Jahre hat er bereits auf dem Schirm. Stakkatoartig zählt Timm auf:„Nutzen der Chancen digitaler Kommunikation mit unseren Endkunden, am Point of Sale wie Online. Dem veränderten Verbraucherverhalten entsprechend neue Vertriebskanäle entwickeln. Unseren Beitrag zum Schutz der Umwelt intensivieren. Unsere Erfahrungen zum fußgesunden Gehen und Laufen mit noch mehr Menschen teilen.“

Als guten Partner begreift Timm dabei die Berliner Volksbank. „In der praktischen Arbeit hat sie sich bei uns im Laufe der Jahre in die Pole Position gearbeitet“, sagt der Unternehmer. „Da stimmen einfach die konkreten Leistungen und das persönliche Engagement der Kundenbetreuer.“ Timm erinnert sich, dass es bei einer dringenden Investition einmal nur schleppend voranging. In seiner Not wandte er sich an ein Vorstandsmitglied. „Man nahm sich sofort Zeit“, sagt Timm. „Unser Anliegen wurde analysiert und  der bankinternen Flow optimiert. Das nenne ich zupackendes, kundenorientiertes Engagement.“