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Studie: Wieder mehr Betrugs- und Korruptionsfälle in deutschen Unternehmen

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Die deutschen Unternehmen werden Betrug und Korruption nicht los: Der Anteil von Unternehmen, die innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierten, ist wieder leicht gestiegen.

Das ist ein Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die mehr als 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

Mehr Compliance, mehr aufgedeckte Korruptionsfälle

Die vergleichsweise hohe Zahl von entdeckten Betrugsfällen in Deutschland zeige jedoch nur, dass die in den letzten Jahren hierzulande eingeführten Compliance-Systeme greifen, so Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY.

Heißner: „Wo funktionierende Überwachungsprozesse im Einsatz sind, da wird auch mehr aufgeklärt, auch wenn es insgesamt gesehen gar nicht so viele Betrugs- und Korruptionsfälle gibt.“

Brasilien oder Nigeria haben echte Korruptionsprobleme

Entsprechend empfinden Deutschlands Manager Korruption als nicht besonders problematisch: Keiner der befragten deutschen Manager hält Korruption hierzulande für weit verbreitet.

In Ländern wie Brasilien (96 Prozent), Kolumbien (94 Prozent) oder Nigeria (90 Prozent) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Deutsche Manager schätzen Ehrlichkeit

Laut Studie sind 36 Prozent der hiesigen Manager der Ansicht, das Betrug und Korruption das größte Risiko für den Geschäftserfolg darstellen. Lediglich Cyber-Attacken (56 Prozent) werden von noch mehr Befragten als großes Risiko für den Unternehmenserfolg gewertet.

Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnen deutsche Manager durchgehend ab.

Im globalen Durchschnitt sieht das anders aus: Da würden 13 Prozent der Manager Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen.

Unterhaltungsdienstleistungen (16 Prozent) oder persönliche Geschenke (zwei Prozent) halten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit ist der Anteil mit 21 Prozent beziehungsweise elf Prozent allerdings höher.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Interessant: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder Achte.

Heißner rät Unternehmen, „Dampf aus dem Kessel“ zu nehmen und junge Manager nicht mit überzogenen Zielvorgaben zu unethischem Verhalten zu verleiten.

Heißner: „Nicht alles, was zu Geschäftsabschlüssen führt, ist auch erstrebenswert. Im Gegenteil: Unethisches oder sogar illegales Geschäftsgebaren für den kurzfristigen Erfolg kann sich langfristig extrem negativ auf das Unternehmen auswirken.“

Betrug und Korruption zweitgrößtes Risiko für Unternehmenserfolg

Trotz der hohen Aufklärungsquote hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Sanktionierung von Verstößen hinterher: In sieben von zehn Unternehmen gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen die unternehmenseigenen Compliance-Regeln. International sanktionieren knapp acht von zehn Unternehmen derartige Verstöße.

So wurden in den vergangenen zwei Jahren in 54 Prozent der deutschen Unternehmen Mitarbeiter sanktioniert, die sich nicht an die Compliance-Regeln hielten.

Weltweit ist der Anteil mit 57 Prozent leicht höher. Besonders kompromisslos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bei Compliance-Verstößen sanktionierten.