Das Unternehmerportal der Berliner Volksbank
Strategie

Betriebsschäden: Wann Arbeitnehmer für Schäden haften

FOTONACHWEIS
© Gina Sanders - Fotolia.com

Auch wenn es sich mancher Arbeitgeber insgeheim anders wünscht: Mitarbeiter können nicht komplett für Schäden haften, die sie bei der Arbeit verursachen. Doch andersherum müssen die Betriebe nicht für alles aufkommen, was jemand bei der Arbeit kaputt macht.

„Ob und in welcher Höhe Arbeitnehmer Schäden ersetzen müssen, hängt vom Grad ihres Verschuldens ab“, sagt Arbeitsrechtsexperte Thomas G.-E. Müller vom Beratungsunternehmen Ecovis.

Demnach unterscheidet die Rechtsprechung vier Verschuldensgrade: Vorsätzliche, grob fahrlässige, normal fahrlässige und leicht fahrlässige verursachte Schäden.

Thomas G.-E. Müller erläutert die Verschuldungsgrade:

Grobe Fahrlässigkeit

Ein Mitarbeiter muss gewöhnlich den von ihm verursachten Schaden vollständig ersetzen, wenn er seinen Arbeitgeber absichtlich schädigt, was unter Vorsatz läuft.

Grob fahrlässig ist beispielsweise, wer am Steuer wegen Übermüdung einschläft, Kellnereinnahmen in einem unverschlossenen Restaurantwagen zurücklässt, in einen Tunnel fährt, ohne die Durchfahrtshöhe zu beachten, während des Fahrens auf eine Karte sieht oder über eine rote Ampel fährt.

Normale Fahrlässigkeit

Hier muss der Arbeitnehmer zumindest einen Teil des Schadens ersetzen – in der Regel sind das 50 Prozent. Aber: „Arbeitnehmer haften bei normaler Fahrlässigkeit nicht unbedingt, sofern ihnen die Schadenshöhe nicht zumutbar wäre“, so Müller.

Die Rechtsprechung berücksichtigt die konkreten Umstände eines Schadensfalls. Etwa, ob eine Arbeit entsprechend gefahrengeneigt ist wie zum Beispiel die eines Berufskraftfahrers oder eines Sprengmeisters, ob eine ohnehin abgeschlossene betriebliche Versicherung den Schaden übernehmen kann, wieviel ein Arbeitnehmer verdient sowie seine Stellung im Betrieb.

Deckt eine Haftpflichtversicherung den Schaden, dann muss der Arbeitgeber diesen Versicherungsschutz in seine Abwägung miteinbeziehen.

Leichte Fahrlässigkeit

Hier muss ein Arbeitnehmer nicht für einen Schaden aufkommen. Dies kann der aus Versehen über die Tastatur des Laptops geschüttete Kaffee sein oder ein Kratzer am Firmenwagen, der beim Einparken entstanden ist.

„Grundsätzlich schützt die Rechtsprechung die Arbeitnehmer vor zu umfangreicher Haftung im Innenverhältnis“, sagt Arbeitsrechtsexperte Müller. Das heißt auch, dass Arbeitgeber diesen Schutz nicht einseitig ausschließen dürfen, etwa mit einem Zusatz zum Arbeitsvertrag.