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Stille Wasser: Vom Umgang mit introvertierten Mitarbeitern

FOTONACHWEIS
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Sie sind scheu, sagen wenig und fallen oft kaum auf. Gerade unter lautstarken und meinungsfreudigen Kollegen scheinen sie regelrecht zu verschwinden. Das ist schade, denn Introvertierte haben nicht weniger zu sagen und in Teams beizusteuern, als extrovertierte Mitarbeiter. Sie benötigen allerdings weitaus mehr Ermutigung, um sich einzubringen, denn häufig glauben Introvertierte, dass es nicht so wichtig ist, was sie zu sagen haben, oder dass andere sich ohnehin nicht dafür interessieren. Während Extrovertierte selten eine explizite Aufforderung brauchen, um sich zu einem Sachverhalt zu äußern – und daher oft meinen, bei allen anderen sei es ähnlich – sagen Introvertierte ihre Meinung häufig nur dann, wenn sie eigens dazu ermutigt werden.

Nachfragen, loben, einbinden

Chefs sollten also stillere Mitarbeiter gezielt einbinden, indem sie bei Teamgesprächen und in Meetings auch diese um ihre Meinung bitten. Sonst verstärkt sich die Dynamik, dass die Extrovertierten „den Laden schmeißen“ und die Introvertierten immer stiller werden. Achten Sie auf Chef darauf, geduldig statt fordernd gegenüber in sich gekehrten Mitarbeitern aufzutreten, da diese oft weitaus sensibler auf Druck reagieren. Und sparen Sie nicht an ernstgemeintem Lob, denn das beflügelt Introvertierte viel mehr, als ungeduldiges Drängen und genervtes Augenrollen, weil es nicht schnell genug geht. Introvertierte arbeiten häufig still, gründlich, langsam und gewissenhaft. Auch in Gesprächen reden sie selten unbedacht drauflos, sondern wägen ihre Worte genau ab. Manchmal muss man mehrmals nachfragen, bis man eine – dann oft substantielle – Antwort bekommt.

Aufträge zuweisen

Eine weitere Möglichkeit, introvertierte Mitarbeiter besser einzubinden, besteht darin, ihnen gezielt Aufgaben zuzuweisen, über die sie dann im Meeting oder Teamgespräch informieren. Klare Zuweisungen von Aufträgen helfen Introvertierten dabei, sich auch einmal „in Szene zu setzen“, z. B. wenn sie im Meeting über eine Fragestellung referieren sollen, mit der sie explizit und exklusiv betraut wurden. So können sie einen introvertierten Mitarbeiter beispielsweise auch zum Moderator von Meetings machen, oder ihn mit der Priorisierung der zu besprechenden Themen betrauen. Introvertierte reagieren empfindlicher darauf, wenn sie unterbrochen werden. Achten Sie als Chef darauf, dass die extrovertierten Mitarbeiter das realisieren und respektieren, indem sie eine wertschätzende Kommunikation und die Fähigkeit geduldig zuzuhören vorleben.

Ruhe und Unterstützung

Als Chef sollten Sie auch wissen, dass introvertierte Mitarbeiter häufig stärker als andere auf eine ruhige angenehme Arbeitsatmosphäre angewiesen sind. Introvertierte werden ungern beobachtet, in lange Smalltalks verwickelt oder mit derben Witzen konfrontiert. Im Gegenzug können sie in der Regel besonders fokussiert arbeiten und sind zu besonders konsequentem Denken und nachhaltigen Problemlösungen in der Lage. Sie brauchen dazu nur ein wenig mehr Unterstützung und geduldiges Wohlwollen. Gerade auch wenn es um Themen wie Kundenkontakt, Telefonieren und Präsentationen geht. Nehmen Sie etwaige Ängste introvertierter Mitarbeiter in diesen Feldern ernst und bieten Sie Unterstützung an.