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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Was Arbeitgeber dagegen tun sollten

FOTONACHWEIS
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30 bis 50 Prozent aller Frauen wurden am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt oder zumindest Zeugen einer Belästigung verbaler, nonverbaler oder physischer Art. Auch jeder fünfte Mann war schon mindestens einmal betroffen, wenn auch in der Regel nur in Form verbaler Entgleisungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aus dem Jahr 2015.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Nur etwa die Hälfte der befragten Firmeninhaber ist sich darüber im Klaren, wie weit ihre Fürsorgepflicht geht, und dass sie per Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) dazu verpflichtet sind, ihre Angestellten auch vor Belästigungen zu schützen, die nicht unmittelbar Ehre und Gesundheit beinträchtigen.

Flirt oder Belästigung?

Während ein Flirt einvernehmlich ist, empfindet eine Person bei einem Übergriff das Verhalten des anderen als stark unangemessen und herabsetzend. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterscheidet zwischen verschiedenen Formen von Übergriffen gegenüber der Intimsphäre von Angestellten. Zu den verbalen Formen zählen:

  • sexuell anzügliche Bemerkungen oder Witze
  • doppelbödige Kommentare über Kleidung, Aussehen oder Privatleben
  • Fragen mit sexuellem Inhalt zum Privat- oder Intimleben
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen
  • unangemessene Einladungen

Zu den nonverbalen Formen zählen:

  • aufdringliches Starren und anzügliche Blicke
  • Hinterherpfeifen
  • unerwünschte E-Mails, SMS, Fotos oder Videos mit sexuellem Bezug
  • Aufhängen und Verbreiten pornographischen Materials
  • unsittliches Entblößen

Zu den physischen Formen zählen:

  • jede unerwünschte – auch scheinbar zufällige – Berührung
  • körperliche Annäherung, die eine angemessene körperliche Distanz nicht wahrt
  • körperliche Gewalt sowie jede Form sexualisierter Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung

Seit November 2016 ist „sexuelle Belästigung“ ein Tatbestand (§ 184i Strafgesetzbuch). Dabei haben Chefin oder Chef dafür Sorge zu tragen, dass es auch außerhalb des Unternehmens nicht zu solchen Rechtsbrüchen kommt bzw. dass solche geahndet werden. Denn gerade auf Dienstreisen, Tagungen, Fortbildungen, Betriebsausflügen oder Kundenterminen kann es zu übergriffigem Verhalten von Angestellten gegenüber anderen Angestellten kommen.

Eckpfeiler der Prävention

Ein entscheidender Pfeiler einer tragfähigen Prävention ist zunächst die Sensibilisierung von Unternehmen für das Thema. Ein weiterer Pfeiler ist die Sensibilisierung sämtlicher Mitarbeiter. Dazu dienen sowohl Schulungen für alle Angestellten als auch Fortbildungen für Personalverantwortliche. Die Bereitstellung von Informationsmaterial empfiehlt sich ebenso wie regelmäßige Umfragen unter Mitarbeitern, wie gut sie sich geschützt fühlen. Darüber hinaus sollten Unternehmer eine Betriebsvereinbarung darüber treffen, welche Verhaltensweisen als sexuelle Belästigung definiert werden und eine Beschwerdestelle einrichten. Unter den Ansprechpersonen sollten sich sowohl eine Frau als auch ein Mann befinden. Entscheidend ist, dass die Unternehmungsleitung klar kommuniziert, dass weder einzelne Belästigungen noch gar eine Kultur des Übergriffs toleriert werden. Mitarbeiter müssen wissen, dass die Führung dieses Ansinnen kommuniziert, sonst stehen Chefs unter Umständen vor Gericht nicht gut da.

Weitere Informationen

Was Unternehmen gegen sexuelle Belästigung tun können – und müssen

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – Was soll der Arbeitgeber tun?

(Quelle: www.marktundmittelstand.de)