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Portraits

Harald Dittmar und die sys-pro GmbH: Software-Lösungen auch für den Mittelstand

FOTONACHWEIS
© Robert Recker

Da ist die Modehandelsfirma, die sich für ihre Filialen eine „intelligente Umkleide“ wünscht: Die Artikel, die der Kunde mit in die Kabine nimmt, werden elektronisch erfasst und in Beziehung zu anderen Angeboten gesetzt. Auf einem Bildschirm in der Kabine wir dann nicht nur angezeigt, was er oder sie in welcher Kleidergröße und zu welchem Preis ausgewählt hat, sondern auch, welche weiteren Produkte der Filiale sich gut mit den ausgewählten Stücken kombinieren lassen.

Natürlich hilft eine solche „mitdenkende Umkleide-Kabine“ auch dabei, zu sehen, welche Artikel besonders häufig nachgefragt und welche tatsächlich gekauft wurden. Obendrein kann per Internet der Dinge ein Alarmsystem integriert werden. Kunden, die versuchen, unbezahlte Kleidungsstücke aus der Filiale zu entwenden, lösen einen Alarm aus. Für die praktikable und preiswerte Umsetzung einer solchen Lösung ist Know-how in mehreren Bereichen gefragt: Wie funktionieren neuronale Netzwerke? Wie nutze ich künstliche  Intelligenz alltagsnah? Wie funktioniert der Handel bei Bekleidungsfirmen?

Auch für KMU finanzierbar

Die Firma sys-pro ist der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Prozesse einer Firma zu digitalisieren. Dabei kann es sich um Auto-Identifizierungs- oder Kommissionierungs-Lösungen handeln, oder um Verfahren, die Produkt-, Lager- und Verkaufsdaten erheben, auslesen und miteinander in Beziehung setzen. Die GmbH greift dabei auf verschiedene Module zurück, die je nach Kundenwunsch modifiziert und miteinander verzahnt werden. Das Rad muss dabei  selten komplett neu erfunden werden, daher bewegen sich die Angebote in einem preislichen Rahmen, der auch für KMU in der Regel gut zu bewältigen ist.

Ein weiterer Pluspunkt für die Kunden ist das ausgeprägte Prozessbewusstsein von Harald Dittmar und seinen Mitarbeitern: „Wir denken nicht in Funktionen, sondern in Prozessen“, sagt der Geschäftsführer. „Im Mittelpunkt steht das Geschäftsmodell unseres Kunden und die Frage, wie unsere Lösung seine Prozesse unterstützt.“  Dittmar verweist auf Kunden aus der Mode-, Food- oder Baubranche – doch für manche Fragen gebe es auch branchenübergreifende Lösungen.

sys-pro-Tochter bedient Industrie-Kunden

Mittlerweile hat die sys-pro GmbH sogar eine Tochter, die RFID Konsortium GmbH, die sich auf Industrie-Kunden spezialisiert hat. Gemeinsam setzen beide Firmen zur Realisierung der Digitalisierung (Industrie 4.0) in den Kundenprojekten  Technologien wie Radio-Frequency Identification (RFID), OLE for Process Control (OPC) und Algorithmen der Künstlichen Intelligenz (KI) ein. Damit sind sie begehrte Ansprechpartner für Industrie und Handel. So integriert die sys-pro ihre Software-Anwendungen im Bereich Logistik und Retail heute auch in Großprojekten von First Playern wie ADLER Modemärkte AG, Ulla Popken und Karstadt.

Harald Dittmar (57) ist gelernter Automatisierungstechniker. Er arbeitete zunächst als Angestellter in verschiedenen Firmen, unter anderem als Entwickler für SAP. Schließlich wurde er Geschäftsführer der Lipro-Deutschland GmbH, einer Tochter der Lipro AG. Das Unternehmen setzte auf die richtige Idee zur falschen Zeit – und erlitt mit seinen Software-Lösungen Schiffbruch, als die Dotcom-Blase platzte. Dittmar und andere Mitarbeiter sahen aber weiterhin das Potenzial der bereits entwickelten hochinnovativen Lösungsplattform.

Neustart nach der Krise

Im Zuge eines Management-Buyouts übernahmen sie Entwicklungs- und Vertriebsrecht und gründeten 2001 die sys-pro GmbH. Mit dem Schritt in die Selbständigkeit sollte aus einer Niederlage das Beste gemacht werden: in diesem Fall ein Neustart. Damit demonstrierte Dittmar von Anfang an eine entscheidende unternehmerische Fähigkeit, die der sys-pro im Laufe der Jahre mehr als einmal zu Gute kommen sollte. Vor allem während der Finanzkrise um 2008 wurde es für die GmbH kniffelig. Potentielle Kunden schnürten den Gürtel enger und sparten als Erstes an Digitalisierungs-Prozessen.

In dieser Phase wurde Dittmar sich auch einer besondern Herausforderung für seine Firma bewusst: Für eine KMU ist es schwerer, möglichen Kunden die Sicherheit zu geben, dass ihre Investitionen geschützt sind. Was, wenn man als Unternehmen einen Kernbereich wie Planung und Steuerung der Ressourcen (ERP) in die Hände einer kleinen Firma legt, die Marktschwankungen nicht in dem Maße durch Rücklagen abfedern kann wie die großen Softwarekonzerne?

In Zukunftslösungen investieren

Gerade in solchen Phasen benötigen KMU Ausdauer, Instinkt und die richtige Bank an ihrer Seite. Für Dittmar ist die Berliner Volksbank anderen Hausbanken überlegen, wenn es um das Verständnis für Mittelständler geht. „Hier bekommen wir auch schon mal kurzfristig Kredite, wenn es gilt, besondere Situationen zu meistern“, sagt der Geschäftsführer. „Auch die Projektfinanzierung wird immer besser“, ergänzt er. Luft nach oben gäbe es bei Leasing-Angeboten, die attraktiver sein könnten.

Wie wichtig Liquidität auch in seiner Branche ist, weiß Dittmar längst. Seine BWL-Kenntnisse hat er sich weitgehend autodidaktisch und durch Schulungen angeeignet. Eine Besonderheit seines Geschäftsfeldes ist das Investieren in Zukunftslösungen. „Die Sache mit der Umkleidekabine hat uns zum Beispiel anderthalb Mannjahre gekostet“, sagt Dittmar. „Von dieser Entwicklungsleistung hat der Kunde nur einen Bruchteil bezahlt. Aber wir schaffen so wertvolle Prototypen für künftige Aufträge.“

Kooperation mit starken Partnern

Kleinere Software-Firmen bieten in Dittmars Augen für die Kunden entscheidende Vorteile: „Mit unserer überschaubaren Grüße von 40 Mitarbeitern sind unsere Kommunikationswege kurz und unsere Abläufe transparent und flexibel“, sagt er. „Außerdem haben unsere Entwickler und Projektteams mit weitaus weniger Zwängen und Auflagen zu kämpfen als die Entwickler großer Firmen.“ Als weiteres Plus kleinerer Firmen gibt der Gründer an: „Für uns sind auch kleinere Kunden interessant. Wir beraten auch schon Unternehmen, die nicht mehr Mitarbeiter haben als wir selbst.“

Damit die Kunden bei der syspro alles aus einer Hand bekommen, arbeitet das Unternehmen mit starken Partnern zusammen. Dazu zählen die Großen wie Microsoft und Oracle ebenso wie mittelständische Firmen, zum Beispiel Nordic ID, Crosscan oder Phizzard. „Auch leben wir von Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Dittmar. „Deshalb arbeiten wir nicht nur preisbewusst und nachhaltig – wir beraten unsere Kunden auch ehrlich. Nicht alles geht so, wie es sich die Kunden vorstellen und wie es ihnen andere versprechen.“

Ein gutes Umfeld für das Team

Dittmar schätzt an seiner Arbeit, dass er nicht nur als Geschäftsführer tätig ist, sondern auch in Projekten mitarbeitet, sei es als Projektleiter, Berater oder „Feuerwehr“ im Ernstfall. „Meine Programmierfähigkeiten sind eher durchschnittlich“, sagt er, „aber mein Organisationstalent kann ich auch unmittelbar in Projekten anwenden. Außerdem sehe ich meine Aufgabe darin, dem Team ein gutes Umfeld zu schaffen.“ Bei der sys-pro setzt man auf Vertrauen. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten sollen den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, auf ihre eigene Weise zu arbeiten. Was zählt, ist, was dabei herauskommt.

Die Geschäftsleitung teilt sich Dittmar mit Dirk Lapoehn, mit dem er beispielsweise die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Soll-Ist-Planung bespricht. Schon heute gehört die syspro zu den deutschlandweit führenden Unternehmen für IoT-Lösungen in Handel und Industrie. Diesen Status wollen Dittmar und Lapoehn in den nächsten Jahren weiter ausbauen und auch verstärkt international tätig werden. „Mittelfristig wollen wir die Geschäftsleitung erweitern und schließlich auch Nachfolger heranbilden“, sagt der Geschäftsführer, der in der sys-pro einen wichtigen Teil seines Lebenswerks sieht. Auch deshalb setzt Dittmar auf junge Talente, einen ausgewogenen Altersmix und eine ansprechende Arbeitsatmosphäre.