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Fahrzeugrestaurierung Rosenow: Peter Spillners Händchen für alte Autos

FOTONACHWEIS
© Jana Spillner

Es begann 1987 in der DDR. Der ehemalige Motorrennsport-Weltmeister Peter Rosenow eröffnet ein paar Kilometer südlich von Berlin eine kleine Firma. In seiner Werkstatt in Rangsdorf machte Rosenow Kurbelwellen von AWO, Trabant, Wartburg oder Volvo flott. Unternehmertum dieser Art wurde von der DDR-Regierung nicht gerade gefördert, und so führte der gelernte Ingenieur seine Firma anfangs eher wie ein Hobby mit Nebenverdienst. Mit dem Fall der Mauer fiel der Startschuss für ein Unternehmen mit Kunden aus ganz Deutschland und Europa. Das Geschäftsfeld verlagerte sich auf die Restaurierung von Oldtimern, genauer: hochwertige Fahrzeuge, die ihre Zulassung vor dem zweiten Weltkrieg erhalten haben.

Peter Spillner half schon 1988 in der Fahrzeugrestaurierung Rosenow. Wie sein Vater liebte er Automobile. „Ohne diese Leidenschaft ist es kaum möglich, die nötige Kompetenz im Umgang mit den alten Vehikeln zu entwickeln“, sagt der heute 50-Jährige, „also genau zu wissen, was wo auf welche Weise und in welcher Qualität hingehört.“ Spillner lernte von Rosenow und erlebte mit, wie sich dessen Firma schnell einen enorm guten Ruf bei Fachleuten und Kennern erwarb. „Das machte mich stolz. Schließlich war ich ja Teil des Betriebs“, sagt der ausgebildete KFZ-Meister.

1997 übernimmt Spillner die Fahrzeugrestaurierung Rosenow. Den Namen behält er bei. Nicht nur, weil der längst deutschlandweit etabliert ist, sondern auch als Würdigung seines väterlichen Mentors. „Ich verdanke Rosenow wirklich viel“, sagt Spillner. „Nachdem ich die Firma übernommen hatte, hat er mir nie reingefunkt. Aber ich konnte ihn jederzeit fragen, wenn ich nicht weiter wusste oder mich noch einmal absichern wollte. Besser geht’s nicht!“

2002 zieht die Firma von Rangsdorf ein paar Kilometer weiter nach Glienick. Hier kauft Spillner ein größeres Gelände und hat nun mehr Platz , zum Beispiel für CNC Fräs- und Drehmaschinen. Dank der modernen Technologie wird es nun einfacher  Werkzeuge und Ersatzteile für die Oldtimer Restaurierung in der entsprechenden Qualität anzufertigen. Auch in anderer Hinsicht erweist sich die Digitalisierung als Gewinn: Bei seinen Recherchen nach Originalteilen und Fotos von Oldtimern in ihrem ursprünglichen Zustand spielt das Internet eine große Rolle. Spillner nutzt neben eBay verschiedene Communities und Fachportale, mailt mit Kollegen seines über die Jahre gewachsenen Netzwerkes und greift auf das Bildmaterial von Sammler-Homepages zurück.

„In Zukunft wird die Digitalisierung eine noch größere Rolle spielen“, sagt der gebürtige Brandenburger und verweist auf die zunehmend ausgereiftere Technologie von 3D-Druckern. „Die Nachfertigung von Ersatzteilen wird immer wichtiger, da die Bestände nicht endlos sind. Gleichzeitig hält der Oldtimer-Boom unverändert an.“ Spillner weiß allerdings auch, dass aktuelle High-Tech-Modelle nahezu unerschwinglich sind. Ohne Kredite geht es auch bei einer gut laufenden Oldtimer-Restaurierung nicht immer weiter. Seit 2015 hat Spillner mit der Berliner Volksbank einen Partner an der Seite, den er als „kompetent, zuverlässig und freundlich“ beschreibt. „Ich kann mich jederzeit an Sie wenden“, sagt der KfZ-Meister. „Und auch wenn Bankangestellte natürlich keinen Plan von Oldtimern haben, fühle ich mich mit meinem Geschäftsmodell dort gut verstanden. So kann es weitergehen.“

Über Aufträge kann sich der Einzelunternehmer nicht beklagen. Viele Kunden kommen aus Bayern und Baden-Württemberg. Spillner erklärt sich das so: „Die Kombination aus guter wirtschaftlicher Situation in Verbindung mit der Leidenschaft für historische Automobile ist dort weiter verbreitet.“  Zu den Schmuckstücken, die Spillner und sein Team so hochwertig und originalgetreu restauriert haben, gehören vor allem Modelle von Mercedes, Audi, BMW und Horch. Da ist zum Beispiel der 2016 fertiggestellte Mercedes 770 W150, Baujahr 1938 – ein Hochleistungsmobil mit 7655 cm Hubraum und 230 PS, das seinerzeit für 44.000 Reichsmark verkauft wurde. Oder der noch in Rangsdorf restaurierte Horch 670, Baujahr 1932, der es immerhin auf 140 km/h bringt, dabei allerdings auch 26 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. „Wir arbeiten parallel an mehreren Wagen“, sagt Spillner. „Dabei stellen wir im Schnitt einen Oldtimer pro Jahr fertig. So eine Endmontage dauert gerne mal 1000 Arbeitsstunden. Da ist die Recherche und die Beschaffung und Anfertigung der Teile noch nicht mitgerechnet.“ Zu den Kunden zählen private Sammler, aber beispielsweise auch das Carl Benz Museum in Ladenburg oder die Audi AG, die ein Museum und einen historischen Fuhrpark betreibt.

Bei der Fahrzeugrestaurierung Rosenow arbeiten heute neben Spillner noch fünf Mitarbeiter und ein Lehrling. Die Büroarbeiten erledigt seit 2003 Spillners Frau Jana, die sich obendrein um die beiden 9 und 14 Jahre alten Töchter kümmert. „Ich arbeite von spätestens 7 bis 20 Uhr oder länger“, sagt Spillner. „In der Zeit falle ich zu Hause quasi aus. Aber unsere Arbeitsteilung funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut.“ Spillner liebt an seiner Arbeit die Eigenständigkeit, den Abwechslungsreichtum und auch, dass er seinen Kunden alles aus einer Hand anbieten kann. „Die Kunden  müssen nur ihren Oldtimer anliefern“, sagt Spillner. „Um den Rest kümmern wir uns.“ Dabei arbeitet die Fahrzeugrestaurierung mit Partnern zusammen, zum Beispiel bei der Polsterung und der Lackierung. „Am Ende ist es sehr befriedigend, ein Projekt von Anfang bis Ende durchgeführt zu haben“, sagt Spillner. „Und das Ergebnis kann man nicht nur sehen, riechen und anfassen sondern auch fahren!“ Dass seine Töchter eines Tages die Firma übernehmen, bezweifelt Spillner. „Bisher ist da kein tieferes Interesse zu erkennen“, sagt er lächelnd, „aber man soll ja nie „nie“ sagen.“