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Selbstbetrug: Diese Lügen erzählen sich Unternehmer gern selbst

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Es hat durchaus seine guten Seiten, dass man in der Euphorie der Gründerzeit ein paar Dinge sehr rosig einschätzt. Ohne Optimismus würden sich viele erst gar keine Unternehmensgründung zutrauen, und ein positiver Blick auf die Dinge kann positive Auswirkungen haben. Es gibt jedoch typische Formen des Selbstbetrugs, durch die sich Unternehmer selbst sabotieren.

Auf dem amerikanischen Online-Portal Inc.com listet James Paine, Gründer des Immobilien-Fonds West Realty Advisors, in einer Kolumne fünf typische Lügen auf, mit denen sich Unternehmer etwas vormachen.

1. „Das wird mich definitiv reich machen.“

So sehr dieser Gedanke anspornen mag, laut Paine ist er kontraproduktiv. Ihm zufolge hält er nämlich den Unternehmer davon ab, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Tagträume verhindern, dass man die aktuellen Probleme erkennt und an Verbesserungen arbeite

2. „Ich werde in jedem Bereich der Firma mitarbeiten.“

Niemand kann in allen Firmenbereichen wirklich gute Arbeit leisten, aber wer nicht gut delegieren kann, wird sehr wahrscheinlich auf Dauer als Unternehmer Schiffbruch erleiden. Laut Paine wissen erfolgreiche Führungskräfte, wann sie selbst anpacken und wann sie Aufgaben an ihre kompetenten Mitarbeiter abgeben müssen.

3. „Ich mache das so, wie ich es immer gemacht habe.“

Ein Menschheitsübel: Die Umstände ändern sich schneller als die eigenen Einstellungen dazu. Wir lieben Beständigkeit und verkennen, dass das, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, nicht auch in der Gegenwart oder Zukunft das richtige oder zumindest nicht das optimale Vorgehen sein muss. Problematisch ist das beispielsweise, wenn Ihr Unternehmen wächst, Sie aber die Prozesse nicht anpassen. Auch das Ausbremsen neuer Ideen von Mitarbeitern mit dem Argument „Das haben wir hier immer schon so gemacht“ ist laut Paine ein großer Fehler.

4. „Lesen ist nicht so wichtig.“

Wer sich laut Paine nicht weiterbildet und das bereits vorhandene Wissen anderer Unternehmer nutzt, betrügt sich um eine der wichtigsten Erfolgsquellen. Der typische Selbstbetrug besteht darin, anzunehmen, man wüsste schon genug und lesen sei nicht so wichtig oder gar komplette Zeitverschwendung.

5. „Ich arbeite einfach härter.“

Paine zufolge ist nicht entscheidend, wie lang und wie „hart“ Sie arbeiten. Stattdessen zählt gemäß dem Motto „work smarter, not harder“ die Effizienz. Wer glaubt, Herausforderungen allein durch mehr Einsatz meistern zu können, der brennt schnell aus. Wer bis tief in die Nacht Akten durchsieht, macht mehr Fehler, als jemand, der ausgeruht ist und genau weiß, worauf er zu achten hat.

Die Unternehmerin Sonja Kreye nennt bei Business-Celebrity.com eine weitere Selbsttäuschung, die bei Unternehmern verbreitet ist:

6. „Ich bringe alles unter einen Hut.“

„Familie, Kinder, Freunde, Sport, Hobbies, dass bringe ich neben meinem vollen Einsatz als Spitzenunternehmer alles auch noch in meinem Alltag unter“ – wer sich diesen „Work-Life-Balance-Mythos“ selbst auftische, so Kreye, der setzt sich entweder enormem Stress aus, oder vernachlässigt sein Business. Als Unternehmer müsse man sich eingestehen, dass mit dieser Berufsentscheidung Opfer verbunden sind. Oft stecke hinter der „Ich bringe alles unter einen Hut“-Lüge, der Unwillen oder die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen.

7. „Wenn der Preis niedrig genug ist, läuft das Geschäft.“

Weitere Lügen, die sich Unternehmer selbst erzählen, listet das amerikanische Wirtschaftsportal Forbes in der Rubrik „Young Entrepreneur Council“ auf. Darunter diese: Ich muss nur die Preise senken oder niedrig halten, dann werden meine Produkte oder Dienstleistungen schon großen Absatz finden.“ Erstens gilt das natürlich nur für bestimmte Angebote und zweitens bedeutet es auch bei diesen nur dann Erfolg, wenn die Marge attraktiv bleibt. Reißender Absatz bei null Gewinn bringt gar nichts. Und für viele Produkte und Dienstleistungen gilt aus Kundensicht: Was nichts kostet, ist auch nichts wert.

(Quelle: www.impulse.de)