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Ärger im Urlaub: Wann haftet der Reiseveranstalter?

FOTONACHWEIS
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Gesetzlich betrachtet schließen Sie mit dem Reiseveranstalter einen Vertrag, der die beiderseitigen Pflichten klärt. Sie sind verpflichtet, dem Veranstalter den festgelegten Preis zu bezahlen. Der Veranstalter wiederum hat die Gesamtheit der vereinbarten Reiseleistungen zu erbringen. Entstehen hier Mängel, besteht die grundsätzliche Rechtsfolge in einer (rückwirkenden) Minderung des Reisepreises. Details finden sich unter § 651 des BGB.

Im Vorfeld recherchieren

Was als Mangel zu reklamieren ist und was nicht, wird im Ernstfall vor Gericht entschieden. Dabei ist zu beachten, dass man heutzutage beim Kunden ein Mindestmaß an Eigenrecherche und Lebenserfahrung voraussetzt. Wer im Katalog gelesen hat, dass der „Transfer vom Flughafen zum Hotel angenehm kurz“ ist, sollte ahnen können, dass er in der Nähe des Flughafens untergebracht und eventuell mit Fluglärm konfrontiert sein wird. Es empfiehlt sich, im Vorfeld ein wenig zu recherchieren und dabei ein Gespür für schönfärberische Darstellungen in Reiseprospekten zu entwickeln. Per Google Earth oder Streetview lässt sich die Umgebung der Hotelanlage oft gut aus der Ferne erkunden. Heutzutage gibt es im Internet oft auch Kundenbewertungen, die einen weiteren Eindruck des Angebotes vermitteln.

Vor Ort aktiv werden

Wenn Ihnen das Essen nicht schmeckt, haben Sie bei einer Reklamation schlechte Karten. Können Sie per Foto Ungeziefer im Buffet dokumentieren, ist das hingegen etwas anderes. Generell gilt, dass dann ein Reisemangel dann vorliegt, wenn die erbrachte Leistung eindeutig von der versprochenen Leistung abweicht. Sollten Sie beispielsweise in der ersten Nacht gar kein Zimmer und in der zweiten statt dem versprochenen Meerblick ein Zimmer mit Hinterhofblick erhalten, können Sie erfolgreich reklamieren. Eine Tabelle mit Gerichtsurteilen zu Reisemangel-Reklamationen bietet der ADAC.

Wenn Sie einen Mangel reklamieren wollen, sollten Sie sofort die Reiseleitung oder den Reiseveranstalter informieren. Eine Reklamation beim Hotelpersonal ist juristisch unwirksam. Am besten reichen Sie Ihre Beschwerde (hand-)schriftlich ein und behalten die Kopie. Auch ein Brief an den Veranstalter per Einschreiben ist sinnvoll. Dabei sollten alle Teilnehmer der Reise unterschreiben. Für Reklamationen haben Sie gegenüber dem Reiseveranstalter nach Ihrer Rückkehr einen Monat Zeit. Dokumentieren Sie die Mängel so genau wie möglich und lassen Sie sich am besten vor dem Antritt der Reise die Kontaktdaten zu einer Hotline des Veranstalters geben. Außerdem sollten Sie sich alle Versprechungen und Angaben notieren, die nicht im Katalog stehen, die Ihnen aber im Reisebüro oder durch einen Mitarbeiter des Veranstalters gegeben wurden. Beachten Sie dabei, dass das Reisebüro die Reise nur vermittelt und in der Regel nicht Vertragspartei ist. Schließlich sollten Sie alles gründlich durchlesen, bevor Sie einen Reisevertrag unterschreiben und die erste Anzahlung tätigen. Prüfen Sie anschließend die Buchungsbestätigung des Veranstalters genau. Sind alle Ihre Wünsche vermerkt? Wenn nicht: Reklamieren Sie bereits vor Reiseantritt. Das erspart Ihnen in der Regel Ärger im Urlaub.