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Portraits

Christine Angerhöfer betreibt Qualitäts-Textildruck mit Kreation und Beratung

FOTONACHWEIS
© MCS Druck

Ganz am Ende der Nalepastraße, mit einer Kleingartenkolonie als Gegenüber, befindet sich eine der größten Textildruckereien Deutschlands. Christine Angerhöfer führt den mittelständischen Betrieb, der auf 5.000 Quadratmetern Verwaltung, Fertigung, Logistik und Lager vereint.

Der erste Eindruck: Ein transparent konzipierter Verwaltungs- und Empfangsbereich,
in dem die Schreibtische nicht durch Wände getrennt sind. Eine offene, herzliche Chefin,
die sich über jeden Besucher freut. Mitarbeiter, die freundlich und hilfsbereit sind.
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Multicolor Shirt ist ein Handwerksbetrieb, der auch und vor allem kreativ arbeitet.  Man kann das sehen, wenn man das Unternehmen betritt.

Die kreative Beratung hat großen Stellenwert

Das Herzstück des Gebäudes ist die Fertigungshalle mit vier Siebdruckkarussells. Hier werden die Textilien weiterverarbeitet – als Berufskleidung oder  für Musik-Merchandising zum Beispiel, als T-Shirts mit Aufdruck für Schulen und Sportvereine oder Firmen. Auch die Textilveredelung, etwa mit Nieten und Stickereien, gehört zum Angebot. Wenn die Maschinen anlaufen, ist sehr häufig schon viel Gedankenarbeit vorausgegangen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, sagt Christine Angerhöfer, ist die kreative Beratung. MCS, wie das Unternehmen in Kurzform heißt, übernimmt auch Merchandising, Grafik und Designentwicklung.

Das ist die besondere Leidenschaft der Chefin, die es liebt, ihre Kunden bei der Wahl von Logos oder Motiven zu beraten. „Kreative Visionen zu entwickeln und sichtbar zu machen, das treibt mich an“, sagt sie. Menschen zu begleiten und für sie da zu sein, wenn sie Fragen und Probleme haben, sei der schönste Teil ihrer Aufgabe.

Die Firma bleibt dem Standort treu

Was dieses Unternehmen so besonders macht, ist nicht zuletzt sein Standort. Christine Angerhöfer, die selbst Berlinerin ist, ist entschlossen, am Standort Berlin festzuhalten, auch wenn in der Textilindustrie sonst jedermann im Ausland produziert. Für sie ist es eine prinzipielle Frage. 66 Mitarbeiter arbeiten bei MCS – am Kurfürstendamm unterhält die Firma noch ein Büro für Kreativberatung – und diesen Menschen fühlt sie sich verbunden.

Seit mehr als 25 Jahren führt Christine Angerhöfer den Betrieb. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Berufspraxis in einem IT-Unternehmen war sie Mitgründerin der Firma MCS in Kreuzberg – mit zwei Gesellschaftern, zwei Mitarbeitern und zwei Maschinen.

Das Unternehmen wuchs, gerade am Anfang kamen viele Aufträge aus der Musikbranche: T-Shirts mit Motiven für Konzerte und Crews wurden geordert, das waren Fälle für den perfekten Achtfarbdruck auf Schwarz. Noch heute ist die Musikbranche ein wichtiger Kunde, für große Namen in der Musikszene hat MCS gefertigt und Veranstaltungen wie Rock am Ring textil ausgestattet. Auch für ausländische Auftraggeber wird viel gefertigt.

Die Menschen im Betrieb liegen ihr am Herzen

Christine Angerhöfer wurde bald Teilhaberin bei MCS, und 1997 erfolgte der Umzug in die Nalepastraße nach Oberschöneweide. Wer heute die Räume des Unternehmens betritt, wird vielerorts kleine Buddha-Statuen bemerken. Die Chefin, eine zupackende und realistische Frau, interessiert sich auch für die spirituelle Seite des Lebens.

Wenn sie von der Seele spricht, die Unternehmen genauso besitzen wie Menschen, wirkt sie dennoch nicht entrückt, sondern ganz im Hier und Jetzt verankert – und darauf kommt es ihr auch in der unternehmerischen Aufgabe an. Es ist eine Aufgabe, an der zwangsläufig auch die Gefühle teilnehmen. Christine Angerhöfer kennt die Menschen in ihrem Betrieb. Mitunter kommen persönliche Sorgen zur Sprache, und es ist gar nicht ungewöhnlich, dass die Chefin auch zur Zuhörerin wird.

Eine Frau der bewussten Entscheidungen

Vor drei Jahren kam für sie selbst ein großer biografischer Einschnitt: Christine Angerhöfer hat die Geschäftsanteile der anderen Gesellschafter übernommen und führt den Betrieb nun in Eigenregie. Zunächst bedeutete dies aber: Schulden machen, um die anderen Teilhaber auszuzahlen. Sie wusste, was sie da schulterte, traf aber eine klare Entscheidung: „Ich habe mit ganzem Herzen ja dazu gesagt. Jetzt bin ich da drin, jetzt mache ich das.“

Sie sei immer eine Frau der bewussten Entscheidungen gewesen, eine Macherin. Das komme ihr als Unternehmerin zugute. Und was zugleich unverzichtbar sei: Die richtigen Partner zu finden, ob es Kunden, Unternehmen oder Banken sind.

„Mit wem will ich mich verbinden, das ist eine Frage, die sich jeder Neuunternehmer stellen sollte“, sagt Christine Angerhöfer. Zu ihren verlässlichsten Kontakten gehört die Berliner Volksbank, die schon in den Achtzigerjahren den allerersten Kredit bereit gestellt hat und auch in der Phase der Neuausrichtung immer an ihrer Seite war.

Auszeiten sind wichtig

Seit sie alleine verantwortlich ist, hat die Arbeit natürlich eher zugenommen, steckt sie noch mehr Energie hinein. Doch von Arbeit würde Christine Angerhöfer gar nicht sprechen, ihr Job ist ihr Freude und Berufung. „Die Trennlinie zwischen Beruf und Privatem ist bei mir nicht unverrückbar, da vermischt sich vieles.“

Natürlich denkt Christine Angerhöfer häufig auch am Wochenende über kreative Entwürfe nach, bewegt sie die Dinge weiter im Kopf. „Aber bei all dem ist es ganz wichtig, dass ich mir klare Auszeiten nehme“, sagt sie. Mit Meditation und Bewusstseinstraining findet sie hier einen Ausgleich.

Für ihren Erfolg und ihren ethischen Unternehmensansatz wurde Christine Angerhöfer 2011 mit dem „Wirtschaftsoscar“ Goldjupiter geehrt. Damit erfuhr nicht nur die Innovationsfreude ihrer Firma eine Auszeichnung, sondern auch ihr ethischer und nachhaltiger Ansatz in der Produktion.

Produktion ohne Umweltbelastung

Ihre Waren sind streng auf Schadstoffe geprüfte Artikel, ausgezeichnet mit dem Öko-Tex-Testat, die Druckfarben garantiert bleifrei. Beim Drucken selbst werden keinerlei Lösungsmittel freigesetzt.

Auch künftig werden die Dinge bei MCS in Bewegung bleiben, verspricht Christine Angerhöfer. Seit kurzem bildet der Betrieb aus, der erste Auszubildende lernt hier den Beruf des Mediengestalters. Und mit „neuen kreativen Dingen für den Markt“ – die Planung ist konkreter als die Wortwahl, soviel kann gesagt werden – werde man von MCS noch viel hören.