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Mitarbeiterführung: Wertschätzung ist zentral

FOTONACHWEIS
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Machen wir uns nichts vor: Unternehmen sind häufig Organisationen, in denen nicht unbedingt lebensnotwendige Produkte und Dienstleistungen erzeugt beziehungsweise vertrieben werden. Die großen Gestaltungsmöglichkeiten und die Produktionsmittel befinden sich nicht in der Hand der Arbeitnehmer, und massiver Gewinnzuwachs ist für Aktionäre, Vorstände und Top-Manager deutlich lukrativer und daher interessanter, als für die Sekretärin oder den Controller. Um die Angestellten dennoch bei der Stange zu halten, kann man mit Angstszenarien arbeiten: Jobverlust, geringe Perspektiven, Hartz-IV-Schikane. Der Stimmung im mittelständischen Betrieb oder Großunternehmen dürfte das nicht unbedingt förderlich. Selbstbewusste, schlaue Köpfe kehren einer solchen Kultur schnell den Rücken, der Rest macht die Faust in der Tasche und verhält sich wie ein Schüler bei einem verhassten Lehrer: Nicht auffällig, aber auch nicht kooperativer als nötig.

Chef ohne Mannschaft

Führungskräfte, die zwar über Fachkompetenz und Autorität verfügen, aber nicht in der Lage sind, sich in ihre Mitarbeiter hinein zu versetzen und deren Beitrag zum Unternehmen wertzuschätzen, gleichen letztlich einem Teamleiter ohne echtes Team. Wer meint, „man sei nicht zum Kuscheln“ auf der Arbeit und Feedback nur für nötig hält, wenn es negativ ausfällt, erzeugt eine Atmosphäre, in der sich die Mitarbeiter kaum als Teil eines Teams begreifen und nicht motiviert sind, sich mit Leidenschaft und den besonderen Stärken der eigenen Persönlichkeit einzubringen. Wer umgekehrt die Mitarbeiter spüren lässt, dass er ohne sie nichts ist, hat die Chance auf ein Arbeitsklima, das mehr Freude bereitet und zu besseren Ergebnissen führt.

Die richtige Wertschätzung

Auf das Thema angesprochen, sagen viele Führungskräfte, dass sie sich dessen durchaus bewusst sind und ihre Mitarbeiter loben und versuchen, ein offenes Ohr für sie zu haben. Doch trotz dieses ehrlich gezollten Respekts, scheint die positive Wirkung nicht besonders groß zu sein. Offenbar gibt es auch unter wertschätzenden Führungsstilen Unterschiede, erreicht der eine die Mitarbeiter, der andere nicht. „Richtige Wertschätzung“ ist kein Lippenbekenntnis oder guter Vorsatz, sondern entspringt einer Haltung, die man zwar durchaus trainieren, aber nicht aus dem Nichts erzeugen kann. Anders gesagt: Wer Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit generell nicht wertschätzt und nun versucht, durch ein paar Psychotricks sein Team zu Höchstleistungen zu motivieren, kann sich diese Mühe sehr wahrscheinlich sparen. Wer hingegen ernsthaftes Interesse an seinen Kollegen hat, kann Verhaltensweisen erlernen, um dieses Interesse wirkungsvoller zu kommunizieren. Auf der Plattform perso-net.de werden zehn praxiserprobte Haltungen der Wertschätzung aufgeführt:

Zehn wertschätzende Haltungen

  1. Nehmen Sie am Leben des Mitarbeiters durch Ihr echtes Interesse teil.
  2. Achten Sie stets auch auf Ihren eigenen Gefühlszustand und sorgen Sie für innere Ausgeglichenheit und Gesundheit.
  3. Hören Sie aufmerksam zu mit dem Ziel, Ihren Mitarbeiter zu verstehen.
  4. Haben Sie Geduld mit Ihren eigenen Fortschritten und dem Wachstumstempo Ihres Mitarbeiters.
  5. Vermeiden Sie kritische Aussagen über ihren Mitarbeiter in dessen Abwesenheit.
  6. Geben Sie klar die Richtung vor und bleiben Sie dabei freundlich.
  7. Nehmen Sie bewusst das Gute und die Stärken des Mitarbeiters in den Blick.
  8. Lachen Sie über sich und haben Sie Mut zur Unvollkommenheit.
  9. Stellen Sie sich in Konflikten immer die Frage: Was kann ich jetzt aktiv tun?
  10. Nehmen Sie Ihre Führungsaufgabe mit Begeisterung und vollem Engagement wahr.

Dabei ist noch zu bedenken, dass Menschen ausgehend von ihrem individuellen Werdegang unterschiedliche „Wertschätzungssprachen“ sprechen. Ein offenes Ohr und konstantes Dazulernen helfen einer Führungskraft, diese unterschiedlichen Sprachen immer besser zu verstehen und zu sprechen. So reagiert der eine vor allem positiv auf konkretes Lob, die andere auf die Zeit, die man ihren Anliegen widmet. Die eine spricht auf Hilfsbereitschaft an, der andere fühlt sich besonders wertgeschätzt, wenn man ihn wortwörtlich auf die Schulter klopft oder besonders herzlich die Hand gibt.

Gerade eine Führungskraft braucht Führung

Wer andere führt, trägt mitunter besonders viel Verantwortung und hat besonders viel im Blick zu behalten. Um dabei auf eigene blinde Flecken und festgefahrene, wenig hilfreiche Verhaltensweisen aufmerksam gemacht zu werden, ist zum einen, eine offene, Kritik zulassende Atmosphäre hilfreich, zum anderen ein Mentor, an den sich die Führungskraft mit ihren eigenen Fragen und Unsicherheiten wenden kann. Vor allem junge, noch wenig erfahrene Führungskräfte und solche, die aus einem Team heraus zu dessen Chef aufgestiegen sind, bedürfen eines konsequenten Coachings, sei es durch interne Weiterbildungen, externen Austausch oder eben einen zur Seite gestellten Mentor, der seinerseits vorlebt, wie Wertschätzung im beruflichen Umfeld gelingen kann.