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Gewerbestrom: Ein Anbieterwechsel kann sich für Unternehmen lohnen

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Nicht jedes Unternehmen hat einen außergewöhnlich hohen Anteil an Energiekosten. Doch es gibt Firmen, die bis zu 20 Prozent ihres Umsatzes für Strom ausgeben. Hier lohnt es sich, über einen Anbieterwechsel nachzudenken.

Wer kann wechseln?

Vor dem Vertragswechsel stellt sich die Frage: Kann ich als Unternehmer überhaupt den Stromanbieter wechseln? Ein klares Ja ist die Antwort, wenn mir das Firmengebäude selbst gehört. Ist die Immobilie jedoch gemietet und der Strom in der Warmmiete enthalten, dann ist der Vermieter Vertragspartner des Stromlieferanten.

Dennoch kann es sich lohnen, den Vermieter zu fragen, ob er einen Wechsel des Stromanbieters für Ihre Gewerbeeinheit erlaubt. Denn er hätte keinen Nachteil dadurch, der Strom ist für ihn ein „Durchlaufposten“. Stellt er sich quer, so müssen Sie dies allerdings akzeptieren.

Vergleichen ist unerlässlich

Ob sich der Wechsel lohnt, erfahren Sie in Vergleichsportalen, die auch Gewerbestromtarife anbieten. Als eigene Referenz dient Ihnen hier grundsätzlich der Nettobetrag der letzten Jahresrechnung bzw. der Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Hinweise zu Ersparnismöglichkeiten auf den Portalen beziehen sich immer auf den Tarif des regionalen Versorgers am Standort des Nutzers. Achtung: Wenn Sie Ihren Strom von anderen Lieferanten beziehen, nützen Ihnen die angegebenen Summen nichts. Sie müssen also unbedingt selbst nachrechnen.

Kündigungsfristen

Wenn Sie einen Vertrag abgeschlossen haben, der noch einige Jahre läuft, können Sie Ihren Stromanbieter wahrscheinlich nicht sofort wechseln. Wollen Sie vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen, können Sie versuchen, das Sonderkündigungsrecht zu nutzen. Das gilt zum Beispiel, wenn der Anbieter die Preise erhöht. Zwei Wochen nach Ankündigung können Sie in diesem Fall schriftlich kündigen.

Sie können natürlich auf Kulanz hoffen und dem Versorger eine Einmalzahlung anbieten, damit er der Vertragsauflösung zustimmt. Aber Vorsicht: Die Einmalzahlung sollte sich für den Versorger lohnen, darf aber natürlich nicht die Ersparnis nach dem Wechsel übersteigen.

Professionelle Vermittlung

Sie können für Tarifsuche und Angebotsvergleiche natürlich auch einen Makler beauftragen. Hier müssen Sie natürlich Provision zahlen, was die Ersparnis wiederum verringert. Langfristig fahren Sie jedoch auch auf diese Weise billiger – sofern Sie einen seriösen Makler bemühen.

Dafür ist es hilfreich, nur Vermittler zu beauftragen, die feste Beratungshonorare abrechnen. Lohnen können sich auch Ausschreibungen im Internet, bei denen Unternehmer ihren Verbrauch genau beschreiben und Versorger sich darauf mit Angeboten bewerben. Das geht beispielsweise über die Plattform Energiemarktplatz oder den Energiedienstleister Ampere.

Konditionen für Großkunden

Großkunden, die mehr als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen, können einen Vertrag mit registrierender Leistungsmessung (RLM) abschließen: Mit einem sogenannten Lastgangzähler wird der Stromverbrauch dann alle 15 Minuten aufgezeichnet und an den Versorger übermittelt.

RLM-Nutzer kennen ihren Verbrauch viel genauer als andere und können deshalb mit ­ihrem Anbieter Sonderkonditionen aushandeln, etwa wenn sie außerhalb der Hoch-Zeiten ­besonders viel Strom verbrauchen. Das kann sich auch für Betriebe lohnen, die weniger als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr ver­brauchen.

Unternehmen, die besonders nachts viel Strom verbrauchen, können erhebliche Preisnachlässe erhalten. Entsprechende Tarife und Zähler, sogenannte HT/NT-Stromzähler sorgen für Transparenz. Jedoch bieten nicht alle Energieversorger entsprechende Tarife und Zähler an.

Ökostrom und seine Tücken

Wer sich für eine ressourcenschonende Produktion einsetzt, bevorzugt oft Ökostrom. Solange ein Betrieb aber nicht selbst Energie produziert, bezieht er den gleichen Strom wie alle anderen in seiner Umgebung. Technisch wäre es gar nicht anders möglich.

Entscheidend ist die Art der Einspeisung des Ökostroms. Bei der sogenannten mengengleichen Einspeisung lässt der Anbieter über das Jahr verteilt genauso viel grünen Strom ins Netz fließen, wie seine Kunden verbrauchen. Das gilt als weniger nachhaltig als die sogenannte zeitgleiche Einspeisung, bei der Anbieter genau den Ökostrom liefern, den die Kunden gerade abnehmen.

Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Es gibt verschiedene ­Labels, Siegel und Standards, die mehr oder weniger deutlich definieren, was am jeweiligen Stromtarif öko sein soll. Je nachhaltiger und regionaler die Strom­erzeugung ist, desto teurer ist auch der Strom. Norwegische Wasserkraft ist die günstigste ­Variante, regional produzierter Strom aus Biogasanlagen deutlich teurer.

Laufzeiten

Unternehmen sollten auf keinen Fall Verträge abschließen, die länger als ein Jahr laufen. In den vergangenen zehn Jahren ist der nackte Strompreis vor staatlichen Umlagen und Steuern laut Verbandsangaben kontinuierlich gesunken. Das wird voraussichtlich auch so bleiben.

Wer sich länger an einen Strompreis bindet, zahlt also wahrscheinlich drauf. Unternehmer sollten darauf achten, dass der vereinbarte Preis auch dann gilt, wenn sie ihren Verbrauch deutlich ändern, oder wenn neue Gesetze verabschiedet werden, etwa zur Erhebung neuer Umlagen oder anderer Abgaben, die die Versorger ihren Kunden in Rechnung stellen könnten.

Vergleichsportale:

billig-strom.de

check24.de

stromanbietervergleich.de

toptarif.de

verivox.de

Quelle: www.impulse.de