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Portraits

Anja Hübner und Alexander Schwandt: Pflegedienst für schwer kranke Kinder

FOTONACHWEIS
Fotos: © Gänseblümchen

Anja Hübner, gelernte Kinderkrankenschwester, kam nach mehrjähriger Berufstätigkeit nicht mehr klar mit den Verhältnissen im Krankenhaus. Es waren zu viele Patienten für zu wenig Pfleger. Kinder, die intensive Betreuung brauchten, erfuhren nicht die Art von fachlicher Zuwendung und Aufmerksamkeit, die sie benötigen.

Heute kann Anja Hübner schwerkranken Kindern eine Eins-zu-Eins-Betreuung anbieten. Auch als Unternehmerin ist sie aber zuallererst Kinderkrankenschwester: Sie möchte die Lage von Menschen verbessern, die auf Hilfe angewiesen sind.

Darum hat sie den Kinderintensivpflegedienst Gänseblümchen gegründet, der jungen Patienten bis 18 Jahren eine umfassende Betreuung im eigenen Zuhause ermöglicht. Wenn es medizinisch erforderlich ist, auch rund um die Uhr.

Neustart mit starkem Wachstum

Seit 2013 betreibt Anja Hübner ihre Firma gemeinsam mit dem promovierten Wirtschaftswissenschaftler Alexander Schwandt. Zwar existierte der Pflegedienst schon seit dem Jahr 2009, doch mit einer früheren Unternehmenspartnerin gab es Differenzen. So kam es nach vier Jahren zu einer Neugründung.

Seither ist das Unternehmen noch einmal gewachsen, und es hat sich weiter professionalisiert. 87 Mitarbeiter gibt es heute, mehr als doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Die Berliner Volksbank hat den Unternehmern nicht nur in der Zeit dieses Neustarts zur Seite gestanden.

Alexander Schwandt, der Wirtschaftsexperte, hat vor seiner Selbstständigkeit eine Zeit lang für die Unternehmensberatung Roland Berger gearbeitet. Drei Jahre lang war er mit seinem Job in der ganzen Welt unterwegs. Über ihre 11-jährigen Töchter, die bereits gemeinsam in die Kita gingen, lernten Alexander Schwandt und Anja Hübner sich kennen.

Das Leben so angenehm wie möglich machen

2012 erzählte sie ihm von ihrem unternehmerischen Abenteuer, er zeigte sofort Interesse. Heute sagt er über seine neue Tätigkeit, dass er sie schätzt, weil sie authentisch ist: „Hier bekomme ich natürlich ein ganz anderes Feedback als in meinem alten Beruf, das ist erfüllender und es motiviert auch, weiterzumachen.“

Als Außenstehender fragt man sich unvermeidlich, wie belastend wohl die ständige Konfrontation mit dem Leiden von Kindern ist. Wie gehen beide damit um, dass sie mit kranken und schwerkranken Kindern umgehen, die häufig keine Aussicht auf Heilung haben?

„Wir können die Diagnose nicht ändern“, sagt Alexander Schwandt, „aber wir können helfen, das Leben bei allen Einschränkungen so angenehm wie möglich zu machen. Das ist wieder das Gute, das wir sehen.“ Viele der Kinder sind so schwer erkrankt, dass sie permanent künstlich beatmet werden müssen, andere sind gerade aus dem Krankenhaus entlassen, und die ärztliche Therapie muss nun zuhause fortgeführt werden.

Die Chefs sind selbst häufig bei den Familien

Beide Geschäftsführer sind oft bei ihren Patienten und deren Familien, sie seien „sehr eingebunden in die Arbeit an der Basis“, sagen sie. Sie müssen zum Beispiel vor Ort sein, um sich ein Bild von ihren Patienten und der Familiensituation zu machen. „Wir haben immer das ganze Familiensystem im Blick, wir prüfen natürlich auch, ob soziale und psychologische Hilfen benötigt werden“, sagt Anja Hübner. Über ihr großes Netzwerk können sie die entsprechenden Fachleute vermitteln.

„Oft haben wir Fallbesprechungen mit der jeweiligen Familie, denn wir brauchen detaillierte Informationen, um bei der Krankenkasse eine Übernahme der Pflegekosten zu beantragen“, so Anja Hübner. Verwaltungsaufgaben dieser Art gehören natürlich auch zum Job.

Verhandlungen mit den Krankenkassen und die Abwicklung der Finanzen gehören eher zu den Aufgaben von Alexander Schwandt, während Anja Hübner mehr in die pflegerischen Planungsaufgaben involviert ist.

Nebenbei noch ein Bachelor-Studium

Viel „Alltagsoperatives“ erledigen aber auch die Angestellten in der Verwaltung. Alexander Schwandt hat neben dem Beruf noch ein Bachelorstudium im Fach Pflegemanagement absolviert und steht hier kurz vor dem Abschluss. Das brachte neue Qualifikationen, aber auch viel zusätzliche Arbeit in den Abendstunden.

Natürlich muss die Firma immer erreichbar sein, es gibt ein Telefon, das 24 Stunden am Tag in Betrieb ist. Wann immer ein Kind aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss die Pflege sofort beginnen.

Man kann das für aufreibend erachten, oder wie Anja Hübner und Alexander Schwandt dankbar sein: Denn mit jedem Kind, das früher nach Hause zu seiner Familie darf, kommen die beidem ihrem Ziel näher, eine persönliche Versorgung der fragilsten und verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft möglich zu machen.

Bei Gänseblümchen arbeiten nur ausgebildete Kinder- und Krankenschwestern bzw. -pfleger. Regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen helfen, dass sie ihre Aufgaben fachlich und emotional bewältigen können.

Das Leitbild ist eine offene Unternehmenskultur

Ein freundschaftliches Klima im Unternehmen ist den beiden Chefs wichtig. Das Ziel ist eine offene Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter im Büro und auch die Schwestern und Pfleger aufgehoben fühlen, wo jeder auch Anregungen und Kritik äußern kann.

Die Firma wird zukünftig sicher nicht im gleichen Maß wachsen wie in den letzten Jahren, sagt Alexander Schwandt. Schon angesichts des Fachkräftemangels seien natürliche Grenzen gesetzt.

Dennoch gibt es eine Vision und eine Aufgabe für die Zukunft. Das Feld der häuslichen Kinderintensivbetreuung muss bekannter werden, daran wollen Anja Hübner und Alexander Schwandt arbeiten. „Das ist noch immer ein Randthema“, so die Einschätzung der beiden. Es gebe noch nicht einmal offizielle statistische Zahlen über den Bedarf und die Patientenzahlen.

Mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung könnten die beiden in der Öffentlichkeit mit Sicherheit Aufklärung schaffen.