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Apps und Algorithmen: Wie sieht die Zukunft des Recruitings aus?

FOTONACHWEIS

© CoastChild

Unternehmen, die in Zeiten des Fachkräftemangels zielgenau und effizient nach Mitarbeitern suchen, werden sich von der traditionellen Mitarbeitergewinnung verabschieden müssen. Zwar gehen viele Unternehmen noch den konventionellen Weg, doch mit der digitalen Technik eröffnen sich auch dem Recruiting neue Möglichkeiten, schnell den passenden Mitarbeiter zu finden. Einige der kommenden und schon existierenden Möglichkeiten seien hier genannt.

Jobprofile

Viele Unternehmen zögern noch, die häufig sehr detaillierten Profile von Jobsuchenden auf Xing oder LinkedIn zu sichten. Dabei sind sie meist aussagekräftiger als ein Lebenslauf auf Papier. Nimmt man zur Auswertung Plattformen wie Facebook oder Pininterest hinzu, so verdichtet sich das Bild eines Kandidaten.

Künftig wird es immer mehr Angebote geben, die helfen, mit wenigen Klicks ein umfängliches Profil einer Person zu erstellen und zu einem Dossier zusammenzufügen.

Diese Art von Gesamtschau können Internet-Nutzer übrigens schon selbst erstellen, in einem einzigen Portal: Die Website about.me macht das zum Beispiel möglich. Im Grunde entspricht sie einer eigenen Homepage, ist aber sehr leicht zu bedienen und erfordert keinen Layout- und Programmierungsaufwand. Häufig wird das Angebot gezielt zur beruflichen Selbstdarstellung genutzt.

Matchmaking per App

Das neueste Beispiel: Findige Start-up-Unternehmer haben eine App entwickelt, die nach dem Vorbild der Dating-App Tinder als „Ehestifter“ dient.

Truffls heißt die neue App für Jobsuchende und Unternehmen. Die Job-Interessenten melden sich mit ihrem XING- oder LinkedIn-Profil an. Die App liest die dort hinterlegten Daten aus und sendet umgehend passende Jobangebote auf das Handy.

Wischt der Nutzer nach links, lehnt er den vorgeschlagenen Job ab. Ein lernender Algorithmus sorgt dafür, dass das nächste Angebot noch besser zu den Anforderungen des Jobsuchenden passt. Findet der Nutzer eine Stelle, die ihn interessiert, wischt er nach rechts.

Das Unternehmen erhält dann das anonyme Kurzprofil des Suchenden und entscheidet, ob es ebenfalls Interesse hat. Ist das der Fall, erhält der Jobsuchende eine Benachrichtigung. Eine weitere Annäherung kann erfolgen.

Karriereportale der Unternehmen

Künftig werden Karriereseiten Techniken nutzen, wie sie etwa personalisierte Newsseiten schon seit längerem verwenden. Cookies und Social-Media-Profile der Besucher können dann ausgelesen werden, nachdem diese ihr Einverständnis gegeben haben.

So kann dem Jobsuchenden eine personalisierte Startseite angeboten werden. Jobangebote und Informationen sind hier bereits vorgefiltert, um eine lange Suche abzukürzen.

Häufig nutzen Karriereseiten ihr digitales Potenzial noch längst nicht. Ein Unternehmen kann hier vorgestellt werden wie ein Produkt. Entsprechend sollte spannender Content bereitgestellt werden. Einige große Unternehmen nutzen schon Blogs und Videotagebücher, um Arbeitsfelder vorzustellen.

Auch mit Testimonials, etwa von Mitarbeitern, kann es gelingen, das Produkt dem Jobinteressenten näher zu bringen – und gleichzeitig packendes Storytelling zu praktizieren, statt sich in drögen Textblöcken selbst darzustellen.

Vorstellungsgespräche in der Cloud

Auch für das traditionelle Vorstellungsgespräch Aug in Auge sind neue Formen denkbar. Nicht jeder Kandidat der Vorauswahl muss zu hohen Kosten an den potenziellen Arbeitsort bestellt werden. Für Erstgespräche nutzen viele Unternehmen schon seit längerem die Videotelefonie.

Eine neue Form der persönlichen Vorstellung sind auch webbasierte Videointerviews. Sie können völlig unabhängig von Zeit und Ort aufgenommen werden. Bewerber müssen hier vorbereitete Fragen des Unternehmens beantworten. Zu diesem Zweck werden sie auf eine Plattform eingeladen, in der sie sich selbst auf Video aufnehmen. Dazu kann das Smartphone oder eine Webcam genutzt werden. Per Link lassen sich dann die Interviews von Mitarbeitern des Unternehmens in der Cloud abrufen.

Der große Vorteil dieses Vorgehens: Potenziell kann jeder Mitarbeiter im Unternehmen das Video anschauen. So wird die Mitsprache Vieler möglich und damit eine Einschätzung des Kandidaten aus den verschiedenen Perspektiven des Unternehmens.