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Falsche Hygiene: Was wirklich gegen Bakterien hilft und was nicht

FOTONACHWEIS

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Für den Haushalt gibt es allerlei Hygieneregeln, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Viele davon sind heute noch sinnvoll, andere aber wurden von der Wissenschaft inzwischen als Irrtum entlarvt. Oft bedeutet das nur, dass die überkommene Regel schlichtweg sinnlos ist, in Einzelfällen aber können traditionelle Verfahrensweisen, beispielsweise im Umgang mit Lebensmittel, sogar gefährlich sein.

Geld ist kein guter Nährboden

„Geld stinkt nicht“, weiß der Volksmund und ist gleichzeitig davon überzeugt, dass es sich bei den begehrten Noten und Münzen um Bakterienbrutstätten ersten Ranges handelt. Da diese Zahlungsmittel in der Regel durch viele Hände gehen, bevor sie bei uns landen, klingt das durchaus logisch. Dennoch stimmt es nicht. Wissenschaftliche Tests haben längst den Beweis erbracht, dass sich auf Geldscheinen nicht mehr Bakterien nachweisen lassen, als auf anderen Dingen, mit denen wir tagtäglich in Berührung kommen: Tischplatten, Türklinken oder Parkscheinautomaten. Die Anzahl der Keime liegt also in einem Bereich, der gesunden Menschen keinerlei Probleme bereitet. Und bei Kupfermünzen besteht ohnehin keine Gefahr, denn Kupfer wirkt sogar leicht desinfizierend.

Gefährliche Lappen

Weit problematischer als Geldscheine sind Küchenschwämme und Spüllappen. Obwohl diese eher selten mit fremden Menschen in Berührung kommen, sind sie ein perfekter Nährboden für allerlei Mikroben. In ihnen sammeln sich unsichtbare Essensreste, die vom Spülwasser regelmäßig die Feuchtigkeit und Wärme erhalten, die sie für ihr Wachstum benötigen. Es empfiehlt sich daher, diese Materialien regelmäßig zu wechseln oder in der Waschmaschine bei mindestens 60 Grad zu reinigen. Ebenfalls als Bakterienherd nicht zu unterschätzen sind unsere Kühlschränke. Insbesondere in den Ablaufrinnen wohnen bis zu 11 Millionen Keime auf einem Quadratzentimeter, die nur in Schach zu halten sind, wenn der Kühlschrank auf fünf Grad eingestellt und in regelmäßigen Zeitabständen gründlich gereinigt wird.

Einfrieren hilft nicht

Wer nun denkt, das Heil gegen Bakterien sei in besonders niedrigen Temperaturen zu suchen, der irrt. In tiefgefrorenem Essen vermehren sie sich zwar nicht mehr, abgetötet werden sie jedoch nicht. Mit dem Auftauen legen sie sogar noch an Aktivität zu, weshalb man diesen Vorgang lieber langsam im Kühlschrank durchführen sollte. Auch der altbekannte Rat, einmal Gefrorenes nicht noch mal einzufrieren rührt daher.

Salmonellen sind nicht wasserscheu

Obwohl für die meisten Reinigungsvorgänge Wasser benötigt wird, ist mit Wasser allein gegen Bakterien nichts auszurichten, es sei denn in kochendem Zustand. So ist auch der alte Hausfrauentipp, Geflügel vor der Zubereitung zu waschen, nicht nur sinnlos, er vergrößert sogar die Gefährdung durch Salmonellen. Das Spritzwasser kann diese nämlich in der ganzen Küche verteilen. Zuverlässig abtöten kann man Salmonellen nur, indem man das Geflügel vollständig durchgart. Gewaschen werden braucht es nicht.

Die Temperatur ist wichtig

Auch in anderen Bereichen des Haushalts gilt: Keimfreie Reinigung erfordert hohe Wassertemperaturen. Auch wenn Waschmittelproduzenten damit werben, ihr Produkt garantiere saubere Wäsche auch bei 15 Grad, um schädliche Erreger loszuwerden ist eine Wassertemperatur von 60 Grad unausweichlich.

So wichtig es jedoch ist, sich vor Bakterien zu schützen, übertreiben sollte man es nicht. Denn eine vollständig keimfreie Umgebung, da ist sich die Wissenschaft einig, würde zu einem Abbau des körpereigenen Immunsystems führen. Dies gilt insbesondere für Kinder.