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Portraits

Georg Kaiser, Chef der BIO COMPANY: Der Mann, der die Öko-Nische sprengte

FOTONACHWEIS

Foto 1: © Philipp von Bruchhausen

Foto 2: © Florian Bolk

Foto 3: Neubau der Filiale in Kleinmachnow © BIO COMPANY

Als Georg Kaiser 1999 die Tür zu seinem ersten eigenen Laden aufschloss, hätte er sich vermutlich nicht träumen lassen, dass sein Unternehmen fünfzehn Jahr später die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro feiern würde.

Mit der neu gegründeten BIO COMPANY zog er damals in die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg. Das Geschäft hatte 280 Quadratmeter, die Regale kaufte er bei Ikea, häufig stand er selbst hinter dem Ladentisch.

Das erste Vollsortiment auf großer Fläche

Die Idee, den ersten Bio-Supermarkt in Berlin zu eröffnen, hatte er gemeinsam mit seiner damaligen Geschäftspartnerin entwickelt. Die beiden kamen zur richtigen Zeit. Schon seit den Achtzigerjahren gab es in der Stadt ein Angebot von kleinen Bio-Läden. Die Kunden interessierten sich immer mehr für bewusste Ernährung.

BIO COMPANY bot erstmals ein Vollsortiment auf größerer Fläche – auch wenn diese im Vergleich zu den Bio-Supermärkten der Gegenwart noch recht begrenzt war.

„Ich mache einen schönen Laden, der mir und den Kunden Spaß macht“, so sah Kaiser damals die Sache. Über eine Filialkette dachten die beiden Firmengründer zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht nach. Allzu akribische Standortstudien und ähnliches gab es nicht. „Zwei, drei Parameter mussten stimmen, ansonsten haben wir aus dem Bauch heraus gehandelt“, sagt Kaiser.

Das ist auch sein Rat an andere Gründer: Wichtig sei vor allem, für sich eine Idee zu entwickeln und an ihr festzuhalten. „Man sollte diese Vision dann nicht über zu viele Details aus dem Blick verlieren“, so Kaiser.

Das Handwerk gründlich gelernt

Georg Kaiser, 1967 in Hohenberg an der Eger im Fichtelgebirge geboren, kommt aus einer Familie von Kaufleuten. Seine Eltern betrieben mehrere Edeka-Märkte. Er lernte Einzelhandelskaufmann, später kam noch der Abschluss als Handelsfachwirt dazu, und arbeitete dann ein Jahr in Frankreich in einem Hypermarché. Wo sonst könnte man mehr lernen über frische und hochwertige Lebensmittel?

Zurück in Oberfranken leitete Kaiser schließlich sechs Jahre lang die Filiale, die er von seinem Vater übernommen hatte.

Mit einer soliden Ausbildung und mit einem klar umrissenen Anliegen konnte er dann auf dem Berliner Markt starten: Er würde Lebensmittel in bester Qualität anbieten, regional erzeugte Produkte aus biologischem Anbau, der auch kleinere Betriebe aus der Umgebung einbezieht.

Immer noch, sagt Georg Kaiser, sei dies sein Antrieb: Die bessere, gesündere Ernährung zu fairen Preisen zu bieten. Er ist inzwischen Vater von vier Kindern; wie bei allen Eltern wuchs auch bei ihm mit der Verantwortung das Bewusstsein für eine gesunde Lebensführung.

Der Anfang war jedoch nicht leicht und erforderte ein Opfer, das wohl nur Autoliebhaber ermessen können. Kaiser verkaufte seinen Oldtimer-Mercedes (Baujahr 1968), um Eigenkapital für die Firmengründung zu gewinnen. Das erste Jahr war wirtschaftlich schwierig, doch Georg Kaiser lebte nicht auf großem Fuß. Eine Weddinger Hinterhofwohnung genügte ihm als Adresse.

Man will bewusst in der Region bleiben

Die BSE-Krise im Jahr 2000 brachte der BIO COMPANY in Wilmersdorf schließlich neue Kunden. Und so ging es auch mit den Umsatzzahlen bergauf. Nach zwei Jahren verabschiedete sich Kaisers Geschäftspartnerin für immer nach Portugal. Auf sie folgte Hubert F. Bopp, der heute noch Partner ist.

Der Wechsel in der Geschäftsführung brachte Georg Kaiser in die Verlegenheit, seine Partnerin auszahlen zu müssen. Hier half die Berliner Volksbank, die sich seither als verlässlicher Partner erwiesen hat. „Der Genossenschaftsgedanke der Berliner Volksbank passt gut zu unserem Unternehmen“, sagt Georg Kaiser.

Ein regionales Unternehmen ist die BIO COMPANY geblieben; nur dass es jetzt 37 Filialen gibt, davon 34 in Berlin und Brandenburg, zwei in Dresden und eine in Hamburg. Rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, das zu einer regionalen Erfolgsgeschichte geworden ist. Bis Ende des Jahres soll die Verkaufsfläche aller Filialen 23.000 Quadratmeter umfassen.

BIO COMPANY ist klarer Marktführer in Berlin und Brandenburg, wenn auch die Konkurrenz in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Aber im Biowaren-Segment wachsen indessen auch die Umsätze weiter, denn die Angebote, die früher vor allem klassische „Ökos“ anzogen, erreichen immer breitere Schichten, sprich: den durchschnittlichen Konsumenten.

Die Hälfte der Zeit gehört der Büroarbeit

Darum gibt es auch ein Ziel für die Zukunft: Mehr Fläche, also noch mehr Läden am Standort. Insgesamt 70 Geschäfte sollte man in der Region etablieren können, sagt Georg Kaiser.

Er fühlt sich aus vielen Gründen an die Gegend „an und östlich der Elbe“ gebunden. Eine Expansion um jeden Preis in andere deutsche Regionen steht nicht auf dem Programm: „Wir haben hier ein gutes Netzwerk, wir kennen selbst die kleinen Produzenten und fühlen uns hier einfach sicher und kompetent“, sagt Georg Kaiser.

Es ist lange her,  dass er selbst an der Kasse stand, damals in Charlottenburg. Seit 2007 sitzt die Unternehmenszentrale in Steglitz in einem Gewerbehof aus dem 19. Jahrhundert. Von dem lichtdurchfluteten Loft aus führt Kaiser die Geschäfte, in der Regel fünf Tage in der Woche, zehn bis zwölf Stunden am Tag.

Nur rund die Hälfte der Zeit arbeitet er im Büro; den Rest verbringt er außer Haus. Er besucht zum Beispiel Filialen in der Stadt oder Lieferanten auf dem Land. Auch das eine oder andere Landwirtschaftsfest steht über das Jahr auf dem Plan, in diesem Fall kann auch mal eine Dienstfahrt am Wochenende fällig werden.

Engagement für den ökologischen Landbau

Georg Kaiser macht das gern, er sucht den Kontakt zu den Produzenten, um immer über deren Situation informiert zu sein. Denn auch die Verbandsarbeit gehört zu seinen Aufgaben. Für den Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) engagiert er sich zum Beispiel, um darauf hinzuweisen, dass der ökologische Landbau in Brandenburg einer stärkeren konstanten Förderung bedarf. Hier muss die Politik durchaus immer wieder angeschubst werden.

Mit seinem ganz persönlichen Interesse an Natur und Artenschutz ist Georg Kaiser in Berlin-Brandenburg bestens aufgehoben, auch als Privatmann. Wochenenden mit der Familie in der Natur gehören zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen, ganz außerdienstlich.