Das Unternehmerportal der Berliner Volksbank
Portraits

Tilman Hierath, Hotelunternehmer: Gastgeber im neuen Berlin

FOTONACHWEIS

Foto 1:  Leselounge im Hostel © The Circus GbR

Foto 2:  Schlafraum © The Circus GbR

Foto 3:  Die fünf Gesellschafter des Unternehmens © The Circus GbR

Nicht jeder Karriere geht ein Masterplan voraus, das zeigt die Geschichte von Tilman Hierath. Vor fast zwanzig Jahren kam er von Frankfurt am Main nach Berlin, wo er Geschichte und Politologie zu studieren begann. Seit dem Jahr 2000 arbeitete er als studentische Aushilfe im Circus Hostel am Rosenthaler Platz, zu jener Zeit eines der ersten großen Hostels, das junge, internationale Gäste anzog. Von da an rückte die akademische Karriere in die Ferne. Hierath arbeitete an der Rezeption der Herberge und stellte fest: Die Gastgeberrolle lag ihm, der Kontakt mit Menschen aus aller Welt machte ihm Spaß.

Der Mann, der damals Schlüssel verwaltete und Stadtpläne verteilte, ist heute einer der fünf Gesellschafter der Circus GbR, und als solcher Miteigentümer eines langsam, aber stetig wachsenden Hotellerieunternehmens. Seit 2008 betreibt die GbR auch das Circus Hotel am Rosenthaler Platz, schräg gegenüber des Hostels. Vier Jahre später kam die jüngste Investition hinzu, ein gehobenes Apartmenthaus in der Choriner Straße.

Als neuer Partner zunächst Fachwissen gepaukt

Damals, am Tresen des Circus-Hostels, hätte Hierath niemals gedacht, dass er einmal Hotelunternehmer sein würde. Er muss jedoch Eindruck hinterlassen haben in seinem Job, denn man lud ihn nach einiger Zeit ein, Gesellschafter zu werden. „Das erste Jahr, nachdem ich Partner wurde, war ein Lehrjahr“, sagt Tilman Hierath. Er wurde für ein halbes Jahr nach Dublin entsandt, wo er die Gründung einer internationalen Hostel-Vereinigung begleitete.

In Berlin lernte er Buchhaltung und Bilanzen lesen. Heute ist er hauptsächlich für Sales und Marketing zuständig, außerdem betreut er die technische Infrastruktur. „Und ich stehe so oft wie möglich an der Rezeption, wie die anderen Gesellschafter auch“, sagt Hierath. Die Unternehmer haben es sich zum Prinzip gemacht, bei allen Konzepten und Planungen zu fragen: Was erwarten wir selbst von einem Hotel, wenn wir verreisen? Immer wieder vor Ort am Kunden zu arbeiten, an der Basis gewissermaßen, helfe, sich in die Gäste hineinzuversetzen.

Ein Apartment-Haus als jüngste Investition

Mit der Eröffnung des Hotels und des Apartmenthauses hat sich das Unternehmen ins mittlere bis höhere Preissegment begeben. Derzeit kümmert sich Tilman Hierath besonders um das Apartmenthaus mit 21 Ferienwohnungen, in denen zwischen zwei und sieben Personen Platz finden. Sein Arbeitstag beginnt meist nach neun Uhr, vorher bringt er zunächst die beiden Kinder in die Kita. Dann geht er in jedes der drei Häuser der Circus GbR; das Apartmenthaus befindet sich nicht weit vom Rosenthaler Platz, wo die anderen zwei Häuser liegen. Hierath studiert Übergabelisten und Reservierungspläne, dann begibt er sich in sein Büro; ein großer Teil seiner Kommunikation findet über Telefon und E-Mail statt.

Die Circus GbR ist ein Unternehmen, das bewusst ein kontrolliertes Wachstum anstrebt. Doch vor einigen Jahren, sagt Tilman Hierath, habe er schon einige schlechte Nächte gehabt: Als nämlich das Hotel eröffnete und man das Team zu diesem Zweck fast verdoppelt hatte. An die hundert Mitarbeiter waren nun dabei. „Da sind wir als Firma gewissermaßen erwachsen geworden“, so Hierath. Der Hotelmarkt ist ein hart umkämpfter Markt, das merkt man auch am Standort Berlin, wo die Häuser nur so aus dem Boden schießen.

Viel Motivation durch die Arbeit mit dem Team

Jede Investition will genau überlegt und geplant sein. Vor einem Jahr hat die GbR das markante Eckhaus erworben, in dem sich das Hostel befindet, was nur durch einen Kredit der Berliner Volksbank zu stemmen war, die sich hier sehr gut eingebracht habe.

Mit den Geschäften sind die Hotelunternehmer zufrieden, wozu sicher auch die Innenstadtlage am touristisch frequentierten Standort beiträgt. Was Tilman Hierath am meisten motiviert, ist das Team und dessen Organisation. Es gibt keine ausgeprägten Hierarchien, von den Mitarbeitern komme viel offenes Feedback: „Das macht das Arbeiten sehr angenehm.“ Angenehm ist auch, dass er als Partner eine gewisse Flexibilität genießt. „Sicher kommt bei der Anzahl der Stunden einiges zusammen, aber dafür kann man sich vieles ganz gut einteilen“, sagt Hierath.

Der Arbeitsaufwand schwankt je nach Saison

Der Aufwand ist auch saisonabhängig, und so kann die Zahl der Wochenarbeitsstunden sehr schwanken. Mal sind es vielleicht 60, dann aber wieder nur 30 Stunden. Für die Familie bleibe unter dem Strich genug Zeit, sagt Tilman Hierath. „Meine Frau kennt die Firma und ihre Arbeitsabläufe außerdem gut. Das ist wichtig, man muss den Partner einbinden und vermitteln, was es für Anforderungen gibt.“

Das Verhältnis zwischen den Gesellschaftern ist gut, ohne dass man eng befreundet sei, so Hierath. Jeder habe seinen eigenen, privaten Freundeskreis, und das sei auch wichtig. Man könne schließlich nicht nur mit den Kollegen in der Firma Kontakt unterhalten. Dass zwischen den Geschäftspartnern die Wellenlänge jedoch grundsätzlich stimmt, hängt vermutlich mit den Biografien der einzelnen Personen zusammen. Alle sind Quereinsteiger und kommen aus den verschiedensten Branchen. „Es gibt viele Studienabbrecher unter uns“, sagt Hierath lachend. Er selbst hat sein Studium niemals beendet, nachdem es mit dem Hotelleriegeschäft losging. Mit 36 Jahren ist er jetzt der jüngste der Gesellschafter.