Das Unternehmerportal der Berliner Volksbank
Leben

Nutzlosigkeit von Vitaminkapseln
neu belegt

FOTONACHWEIS

© fotomek - Fotolia.com

Laut der medizinischen Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ sind sich führende US-Internisten einig: Wer gesund ist und keiner Mangelernährung unterworfen, der benötigt nach derzeitigem Wissenstand auch keinerlei Nahrungsergänzungsmittel. Unter Umständen könnten diese dem gesunden Organismus sogar Schaden zufügen, warnen Wissenschaftler der Johns Hopkins University in zwei neuen Studien. Danach gäbe es keinen Hinweis auf eine Nützlichkeit der Präparate – weder nach Herzinfarkten, noch als Schutz vor Demenz oder zur allgemeinen Vorbeugung. Das gilt auch für Kombinationen verschiedener Mittel.

Auch EU-Behörde warnt

Wirklich neu sind die Details der Studien nicht: Negative Wirkungen bei regelmäßiger Einnahme sind schon lange belegt. Auch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) warnt vor langfristigen Schäden insbesondere bei Senioren, die hierzulande zu den Hauptabnehmern zählen. Allerdings bislang vergeblich.

Doch der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt

Die negativen Studienergebnisse werden jedoch von Produzenten und Verbrauchern bislang weitgehend ignoriert.

So lag im Jahr 2010 der Umsatz der Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln bei 900 Millionen Euro und jeder vierte Deutsche gehörte zum Konsumentenkreis. Schlimmer noch ist es in den USA, wo der Umsatz inzwischen bei ganzen 12 Milliarden Dollar liegt, Tendenz steigend.

Zahlreiche ernüchternde Forschungsergebnisse

Dabei sind die Forschungsarbeiten, die auf die Nutzlosigkeit der Vitaminpillen hinweisen, vielfältig.

So sichteten Wissenschaftler vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland vorliegende Daten von mehr als 450.000 älteren Testpersonen, denen einzelne Vitamine oder Multivitamintabletten verabreicht worden waren. Auch dabei fanden sich keine konkreten Hinweise auf ein positive Wirkung in den Bereichen Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie allgemeine Sterblichkeit.

Und auch am Bostoner Brigham and Women’s Hospital werteten Wissenschaftler Daten aus der „Physicians‘ Health Study II“ aus, in der die Beobachtungen von knapp 6.000 Ärzten über einen Zeitraum von zwölf Jahren erfasst wurden. Getestet wurde die geistige Leistungsfähigkeit von Männern über 65 Jahre, wobei einer Gruppe Vitamine verabreicht wurden und einer Vergleichsgruppe ein Präparat ohne jeden Wirkstoff. Die Testergebnisse beider Gruppen blieben im Verlauf der Studie identisch. Ein Effekt der Vitamine war also nicht erkennbar.

Ebenso erging es Wissenschaftlern der Columbia University Division of Cardiology at Mount Sinai in Miami, die sich die angeblich vorbeugende Wirkung hochdosierter Vitamine und Mineralien gegen Herzinfarkte vornahmen. In insgesamt 134 Studienzentren arbeiteten auch sie mit Vergleichsgruppen. Getestet wurden 1.708 Männer und Frauen, die bereits einen Herzinfarkt überstanden hatten. Das Ergebnis auch hier: Keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Testgruppen.

Schaden statt Nutzen

Als nicht nur nutzlos, sondern regelrecht gesundheitsschädlich haben sich zudem Beta-Carotin und hochdosierte Präparate mit den Vitaminen E oder A erwiesen.

Insgesamt raten die Wissenschaftler – soweit keine konkrete Mangelernährung vorliegt – deshalb von der regelmäßigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ab.