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Portraits

Strategischer Kaufmann mit Herz: Marc-Andreas Demski

FOTONACHWEIS

© Reformhäuser DEMSKI in Berlin

Aufgewachsen gleich gegenüber dem ersten DEMSKI-Reformhaus, erlebte Marc-Andreas Demski das Unternehmertum seiner Eltern und das bunte Angebot in ihren Läden immer als spannend.

Er war stolz darauf und konnte kritische Bemerkungen über einen möglichen Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit seiner Eltern ihm gegenüber nicht nachvollziehen. Im Gegenteil. Der junge Marc-Andreas konnte seine Eltern ja täglich in ihren Läden besuchen und zudem noch von dem tollen Angebot profitieren.

Familiäres Geschäftsleben mit Höhen und Tiefen

Dass er das Unternehmen einmal übernehmen wird, war jedoch nicht gleich sein Kindheitstraum. Als Jugendlicher konnte sich Marc-Andreas Demski auch eine Beschäftigung in der Gesundheitsbranche vorstellen. Zudem nahm er zu dieser Zeit schon auch die Sorgen der Eltern um die Stabilität des Geschäfts wahr.

Obwohl sich Mutter und Vater als Unternehmerpersönlichkeiten perfekt ergänzten: Denn während seine Mutter – Ingrid Demski – eine sehr warmherzige, charismatische Unternehmerpersönlichkeit voller Tatendrang, Optimismus und sozialer Kompetenz war, war sein Vater – Herbert Demski – eher eine kritisch abwegende Unternehmerpersönlichkeit mit prüfendem Blick und hohem Risikobewusstsein. Die Geschäftspartnerschaft der Ehepartner zeichnete sich also durch positive Synergieeffekte aus.

Dennoch ging es geschäftlich nicht immer nur bergauf. Bei dem dritten Reformhaus hatten Ingrid und Herbert Demski Pech mit einer Mitarbeiterin. Sie wurden massiv um Einnahmen betrogen und waren vorübergehend genötigt, eines der drei aufgebauten Geschäfte wieder zu verkaufen.

Glücklicherweise behielt sich ihr Sohn, Marc-Andreas Demski, jedoch im Falle des Weiterverkaufs das Vorkaufsrecht vor, so dass das verlorene Geschäft Jahre später wieder von ihm zurückgekauft werden konnte.

Herausforderung familiäre Unternehmensnachfolge

Erst nach dem Abschluss seines BWL-Studiums stand für den damals 25-Jährigen fest, dass er in das Unternehmen der Eltern einsteigen möchte, was er Mitte der neunziger Jahre auch tat.

Ingrid und Herbert Demski hatten zu dieser Zeit 35 erfolgreiche Jahre der Selbständigkeit – und Herbert Demski einen Herzinfarkt – hinter sich. Deshalb wollten sich die Eltern nun schweren Herzens aus dem Geschäftsleben in den Ruhestand zurückziehen.

Zur gleichen Zeit war Sohn Marc-Andreas nach seinem Betriebswirtschaftsstudium voller Tatendrang und verspürte den Wunsch, das Familienunternehmen weiterzuentwickeln und auszubauen.

Dieser Generationswechsel war nötig, aber natürlich – wie alle Generationswechsel  – auch nicht einfach.

Neue Unternehmerpersönlichkeit

Mit Dipl.-Kfm. Marc-Andreas Demski kam eine neue Unternehmerpersönlichkeit mit einer strategischen Sichtweise in das Familienunternehmen.

Der ehemalige Waldorfschüler brachte zudem eine unkonventionelle, ganzheitliche Herangehensweise an Themen mit, die Kreativität, Kritikfähigkeit, emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz in sich vereint.

Notwendige Änderungen

Etwas, was Marc-Andreas Demski im Studium gelernt hatte, war: Die Chance liegt im Wandel. Zwar hatte er nicht vor, jedem Trend hinterherzurennen, doch Modernisierung war nötig.

So war nach seinen Erkenntnissen eine gewisse Größe des Unternehmens notwendig, um am Markt zu bestehen. Deshalb kaufte er das verlorene Geschäft seiner Eltern wieder auf und erweiterte die Einzelhandelskette um vier weitere Geschäfte an strategisch günstigen Standorten.

Zudem baute er die EDV des Unternehmens aus, systematisierte die Kommunikation, führte eine strategische Personalplanung und –entwicklung sowie Eigenmarken ein und richtete eine Werbeabteilung ein, die ein neues Corporate Design inklusive Logo entwickelte und den Markennamen prägte.

Diese Veränderungen bereiteten den Eltern zunächst Sorge, doch der Erfolg gab dem Sohn recht: Die Modernisierung zahlte sich aus.

Der Wandel ist dabei letztlich für Marc-Andreas Demski auch das, was den Reiz eines Reformhauses ausmacht. Eigentlich sagt es der Name schon – ein Reformhaus hat reformierenden Charakter. Hier werden immer wieder neue Innovationen eingeführt – früher das Müsli, heute beispielsweise sekundäre Pflanzenfarbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung oder Mittel zur Darmsanierung. Reformhäuser spüren Trends auf. Dabei haben sie jedoch einen anderen Anspruch als beispielsweise Bioläden: Die Mitarbeiter sind hier ernährungswissenschaftlich ausgebildet und wissen auf sämtliche Fragen auch fachmännisch zu antworten.

Was es zu bewahren galt

Doch trotz aller Modernisierung galt es selbstverständlich auch, die Erfolgsbasis des Familienunternehmens zu pflegen: Diese beruhte in jedem Fall auf den vielen persönlichen Beziehungen, die seine Eltern zu Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden aufgebaut hatten.

So sind beispielsweise viele Mitarbeiter schon so lange in dem Familienunternehmen tätig, dass sie Teil seiner Biografie geworden sind. Diese Wertschätzung wollte Marc-Andreas Demski unbedingt bewahren

Menschliche Werte als Erfolgsqualität

Eine zentrale Erfolgsqualität der Reformhäuser Demski ist deshalb zum einen – Modernisierung hin oder her – nach wie vor die Konzentration auf den Menschen.

Eine zweite Authentizität. In den Reformhäusern Demski wird den Mitarbeitern kein aufgesetztes Lächeln antrainiert, sondern die gesamte Bandbreite der Menschen in ihrer Individualität wertgeschätzt. Marc-Andreas Demski interessiert sich für die Lebenssituation seiner Mitarbeiter und versucht diese entsprechend zu berücksichtigen.

Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?

Klar, dass die strategische Weitsicht, unternehmerische Entwicklung und Pflege von Geschäftsbeziehungen nicht in einen 9- bis 17-Uhr-Arbeitstag zu pressen sind. Die Verantwortung über sieben Geschäfte und rund fünfzig Mitarbeiter benötigt Zeit. Und da kommt es – trotz aller Planung – auch immer mal wieder zu unvorhergesehenen Ereignissen.

Marc-Andreas Demski arbeitet sechs Tage wöchentlich plus Strategietagungen am Wochenende. Das macht es schwer, ausreichend Zeit für ein ausgedehntes Privatleben zu haben. Dennoch ist er glücklich verheiratet und hat eine Tochter.

Herausforderungen des Einzelhandels

Die langen Arbeitszeiten sind aber nicht nur ein Problem der Unternehmer, sondern auch des Einzelhandels allgemein. Die modernen Öffnungszeiten erfordern viele Arbeitsstunden, erlauben jedoch nur eine relativ geringe Bezahlung. Zusätzlich müssen die Einzelhändler in den Reformhäusern viel Fachwissen erlernen und soziale Kompetenz beweisen. Das schreckt den Nachwuchs oftmals ab. Deshalb  ist Leidenschaft für die Aufgabe besonders wichtig.

Dementsprechend vergleicht Marc-Andreas Demski das Finden der richtigen Mitarbeiter mit „Gold sieben“: Die Suche kostet viel Zeit. Das Glücksgefühl nach einem Fund ist jedoch unbeschreiblich schön.

Wie sieht ein Arbeitstag aus?

Der Arbeitstag von Marc-Andreas Demski beginnt um 7 Uhr im Büro mit der Durchsicht seiner E-Mails. Dann folgen klar strukturierte Besprechungstermine, intern und extern – also mit Mitarbeitern, Lieferanten und Geschäftspartnern. Zudem nehmen auch die behördlichen Auflagen viel Zeit in Anspruch.

Bürokratie und Bank

Bei der Bürokratie empfindet Marc-Andreas Demski seine Hausbank, die Berliner Volksbank, als „wohltuende Hilfe“. Die Auflagen und Forderungen der Bank nach Belegen und Geschäftsplänen seien konstruktiv. Sie helfen bei der Geschäftsentwicklung und zwingen die Unternehmensführung, Schlampereien zu vermeiden.

Was bedeutet „gesund leben“?

Das Reformhaus steht für gesundes Leben. Wie integriert Marc-Andreas Demski diesen Aspekt in seinen langen Arbeitsalltag? Was bedeutet für ihn persönlich „gesund leben“?

Der Unternehmer antwortet ganz intuitiv: Aus seiner Sicht ist es wichtig, auf die innere Stimme zu hören, die einem zu verstehen gibt, was einem gut tut und was nicht. In diesem Sinne ist er auch kein Freund von Moralismus. Er hält einen ausgewogenen Lebensstil für wichtig, der grundsätzlich gesund ausgerichtet sein sollte, aber auch „Sünden“ zulasse.

Was Marc-Andreas Demski Jungunternehmern raten würde

Marc-Andreas Demski ist Existenzgründer-Seminarleiter an der Reformhaus-Fachakademie. Er kann Existenzgründern nur immer wieder raten, die vielen Informationsangebote, die Existenzgründern heutzutage zur Verfügung stehen, auch zu lesen und ernstzunehmen.

Zusätzlich ist die innere Begeisterung für das Unternehmen und ein langfristiges Denken wichtig.

Und nicht zuletzt sollte man nie Entscheidungen unter Zeitdruck fällen. Geschäftspartner, die einen bei Vertragsunterzeichnungen unter Zeitdruck setzen, seien immer unseriös. Gerade bei Mietvertragsabschlüssen sei es wichtig, die Verträge auch mitzugestalten.

Zukunftsvision

Ein weiteres wichtiges Prinzip, das Marc-Andreas Demski in seinem Studium gelernt und verinnerlicht hat, lautet: Nichts ist gefährlicher als Wachstum, den man nicht beherrscht.

Deshalb zieht er zukünftig eine Konsolidierung weiterem Wachstum vor. Denn der Erfolg steht und fällt mit hervorragenden Mitarbeitern. Jeder Filialleiter und jede Filialleiterin ist eine Persönlichkeit. Doch diese zu finden, sei schwierig. Deshalb baut Marc-Andreas Demski zukünftig lieber auf eine intensive Führung der bestehenden Führungskräfte sowie eine strategische Ausrichtung seiner Angebotspalette, um die Reformhäuser Demski auch weiterhin erfolgreich zu führen.