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Portraits

Cynthia Barcomi – leidenschaftliche Vertreterin der US-amerikanischen Esskultur in Berlin

FOTONACHWEIS

© Sascha Funke / Barcomi’s

Ihre Geschäftsideen speisen sich aus Inspiration und Nostalgie: 1963 in der Hafenstadt Seattle an der US-amerikanischen Westküste geboren und in New York auf’s Internat gegangen, hat Cynthias Barcomi ihre Kindheit als sehr schön in Erinnerung:

Zuhause wurden täglich Leckereien gebacken – meist von ihrer Mutter – und in der Sommerzeit auch von ihrer Oma, die sonst in Florida lebte. An diese Zeit hat Cynthia Barcomi intensive Erinnerungen.

Melancholische Geschäftsidee

Heute versucht die renommierte Back-Queen, die Rezepte der Oma nachzubacken, auch wenn das aufgrund der wehmütigen Idealisierung des damals Gebackenen schwierig ist: Fast unerfüllbar scheinen ihre eigenen sehnsüchtigen Erwartungen an das Gebäck.

Veränderte Rollenbilder

Die Idee, Unternehmerin zu werden, ist allerdings nicht familiär bedingt. Ihr Vater war Anwalt und ihre Mutter blieb den Kindern zuliebe daheim. Ganz traditionell. Beruf und Privatleben blieben strikt getrennt.

Das ist bei Cynthia Barcomi heute gänzlich anders: Ihr ist es wichtig, Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen und im Bestfall Synergien zu schaffen. „Meine Weiblichkeit fließt in meinen Beruf ein“, erklärt sie. Denn ihre persönlichen Backkünste sind Basis ihres beruflichen Erfolgs.

Selbstverwirklichung in Europa

Mit 21 Jahren hatte Cynthia Barcomi ihren Universitätsabschluss in Philosophie und Theaterwissenschaft in der Tasche und sie entschied: Sie will nach Europa. Hier – beispielsweise in Paris oder Florenz – hat sie während des Studiums oft ihre Sommer verbracht. Als passionierte Tänzerin und Fan von Pina Bausch zog sie es letztlich nach Deutschland, nach Berlin.

Die deutsche Metropole erwies sich jedoch als härteres Pflaster als erträumt. Das Kontakte knüpfen war hier gar nicht so leicht und gelang erst nach und nach durch den Tanz.

11 Jahre nach ihrer Ankunft hat sie hier ihren späteren Ehemann Harvey Friedman kennengelernt, ein US-amerikanischer Schauspieler, der ihr hier zur Heimat wurde.

Von der Tänzerin zur Back-Queen

Mit Anfang 30, nach der Geburt ihres zweiten Kindes, fragte sich Cynthia Barcomi, wie es beruflich weitergehen soll. Der Tanz wird nicht ihre Zukunft sein. Sie überlegte, was ihr Spaß macht, denn nur damit würde sie Erfolg haben.

Ihr erste Idee: Eine Kaffeerösterei. Ihre zweite Idee: Das Backen wieder aufzunehmen. Denn das Vorurteil, dass die Amerikaner keine Esskultur besäßen, tat ihr weh. Sie wollte den Deutschen das Gegenteil beweisen.

Sie zwang sich, ihre Idee entweder umzusetzen oder nie wieder zu erwähnen. Die Geburtsstunde von „Barcomi’s Café & Kaffeerösterei“.

Steiniger Beginn

Doch der Karriereweg von Unternehmerin Cynthia Barcomi war kein Spaziergang. Sie startete mit nur 15.000 DM Eigenkapital, brachte Gebäck mit zum Bewerbungsgespräch bei diversen Finanzinstituten und versuchte auch die IHK von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. Doch viele Banken verweigerten ihr das nötige Startkapital.

Nächster Anlaufpunkt war die Bürgschaftsbank. Auf diesen Vorstellungstermin bereitete sich die Tänzerin mit ihren Kenntnissen aus ihrem Schauspielstudium vor. Sie überlegte sich genau, was sie benötigte, um zu überzeugen, und gewann die Sympathie der Bank mit Überzeugungskraft und Persönlichkeit.

Trotz des Startkapitals musste Cynthia Barcomi gerade zu Beginn ihrer Unternehmensgründung sehr viel arbeiten. Schnell merkte sie: Um 7 Uhr aufstehen reichte nicht; sie musste zwischen 3 und 4 Uhr nachts mit dem Backen beginnen, um ihre Ware rechtzeitig bereitstehen zu haben. Doch Cynthia Barcomi war hoch motiviert; überzeugt, dass sie das Potenzial hat, es zu schaffen; und dachte sich: Ich habe nur eine einzige Chance und die werde ich nutzen!

Quereinsteigerin mit Biss

Letztlich schien es Cynthia Barcomi – trotz aller Warnungen diverser Kritiker – kein Fehler gewesen zu sein, als Quereinsteiger in die Gastronomie zu gehen: Ihre künstlerische Ausbildung half ihr, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf überflüssige Details zu verzichten, ihr eigener Regisseur zu sein und mit Kritik konstruktiv umzugehen. Sie machte ihren Weg mit Ehrgeiz, Fleiß, Persönlichkeit und frischem Blickwinkel.

Schwieriger war da schon manchmal die Selbstkritik – der kleine Teufel auf der Schulter, der ihr zuflüsterte „Das kannst Du niemals schaffen, Cynthia“. Doch dann fiel ihr ein, wie sie ihre Kinder motivieren würde, wenn sie den Mut verlieren würden, und sprach sich selbst Mut zu – mit Erfolg.

I do it my way

Auf dem Weg der Jungunternehmerin begegneten ihr unendlich viele Menschen, die sie mit Ideen überhäuften, wie sie ihr Business verändern oder ausbauen könne. Cynthia Barcomi prüfte diese Ideen, kam aber schließlich fast immer zu dem Schluss, dass das tolle Ideen sein mögen, die jedoch nichts mit ihrem Vorhaben zu tun haben.

Die Identifikation mit ihren Produkten ist ihr sehr wichtig. Sie backt selbst und achtet auch genau darauf, dass die Fotos ihres Gebäcks für ihre Bücher natürlich und authentisch aussehen.

Ihr Resümee: Es gibt viele Wege – sie bietet ihre Interpretation an. Zu Recht. Denn heute ist allein ihr Name eine Marke.

Zweite Hürde

Nachdem sich „Barcomi’s Café & Kaffeerösterei“ in Kreuzberg innerhalb von drei Jahren erfolgreich entwickelt hatte, schien Cynthia Barcomi der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein zweites Lokal in Mitte zu eröffnen. Ihre Hausbank sah das anders und lehnte die Finanzierung des Startkapitals ab.

Sie fand schließlich in der Berliner Volksbank einen neuen Partner, der bereit war, ihr die Eröffnung ihres zweiten Lokals „Barcomi’s Deli“ in Mitte vorzufinanzieren.

Sie zog sämtliche Konten zur Berliner Volksbank um und freut sich bis heute über die sehr gute Geschäftsbeziehung. Die Bank schätzt ihre Zuverlässigkeit und ist umgekehrt für sie da, wenn sie etwas braucht. – Und das ist wichtig, denn die Gastronomie ist ein hartes Geschäft mit hohem Waren- und Personaleinsatz.

Dennoch hat Cynthia Barcomi auch diese Hürde mit Bravour genommen, denn auch das Barcomi’s Deli nahe dem Hackeschen Markt läuft erfolgreich. Insgesamt beschäftigt die 49-jährige Unternehmerin mittlerweile in beiden Cafés zusammen rund 40 Mitarbeiter.

Bleibt da noch Zeit für das Privatleben?

Der Erfolg ist für Cynthia Barcomi kein Grund für Kompromisse im Privatleben: Mit ihrem Mann hat sie vier Kinder: Ihre älteste Tochter Esmé ist 24 Jahre alt, ihre zweitjüngste Tochter Coco 19, ihr Sohn Jäger 8 und ihre jüngste Tochter Savoy 5 Jahre alt. Alle Kinder wachsen dreisprachig – deutsch, englisch, französisch auf. – Wie macht sie das?

Seit einigen Jahren hilft ihr eine Haushälterin im Haushalt. „Sie ist der Kleber, der alles zusammenhält“, erzählt Cynthia Barcomi lachend.

Und natürlich habe sie immer mal wieder auch Selbstzweifel. Aber sie hat gelernt, keine Panik vor der langfristigen Belastung zu entwickeln, sondern immer nur ein Schritt nach dem anderen zu gehen. Tag für Tag. Stunde für Stunde.

Erfolgskriterien

Wenn Jungunternehmer ihren Rat suchen würden, würde sie vor allem empfehlen, sich immer treu zu bleiben.

Ihre persönlichen Erfolgsqualitäten sind ihre Klarheit und Entscheidungsfähigkeit. Sie besitzt zudem ein starkes Vertrauen in ihr Potenzial und die Fähigkeit, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren. In den letzten zwanzig Jahren hat sie sich erarbeitet, sehr strukturiert und organisiert zu arbeiten. Das gibt ihr einen Rahmen und gleichzeitig Freiheit.

Zukunftsvision

Cynthia Barcomi braucht immer neue Herausforderungen und Ziele. Sie hat inzwischen vier Bücher geschrieben und arbeitet mittlerweile auch für das Fernsehen. Hier möchte sie keine eigene Sendung haben, aber die Teilnahme an Sendungen wie ARD-Buffet und Morgenmagazin macht ihr sehr viel Spaß. Ihr Traum: Medien-Kooperationen in Berlin, damit sie sich die Fliegerei sparen kann.