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Digitale Kommunikation: Mails im Minutentakt nerven Manager

FOTONACHWEIS
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Fast jede zweite Fach- und Führungskraft ist der Ansicht, dass die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt eher Stress als Bereicherung ist. Fast jeder Manager wird außerdem aufgrund der ständigen Erreichbarkeit durch die digitalen Medien vom Nachdenken abgehalten.

Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Renaissance des Analogen“ der Unternehmensberatung EY, für die 800 Fach- und Führungskräfte deutscher Unternehmen befragt wurden.

Mails abrufen statt strukturiert abarbeiten

Demnach unterbrechen ein Drittel der befragten Manager über alle Altersgruppen hinweg die Arbeit mehrmals pro Stunde, um E-Mails abzurufen.

Vor allem die Jüngeren neigen laut Studie dazu, sich durch die elektronische Post ständig ablenken zu lassen. So ruft jeder zweite Befragte unter 30 Jahren seine Mails mehrmals pro Stunde ab, ebenso tun dies 46 Prozent der Studienteilnehmer zwischen 30 und 40 Jahren.

Innovation nur mit strukturierter Planung des Tagesablaufs

Nelson Taapken, Partner und HR-Experte bei EY: „Bei diesem Rhythmus ist es in der Tat nicht möglich, tief in ein Thema einzutauchen.“

Genau das sei aber wichtig, um gute Arbeitsergebnisse zu erzielen oder für den Unternehmenserfolg wichtige innovative Lösungen zu finden. Gefragter denn je sei daher die strukturierte Planung des Tagesablaufs.

Laut Studie nehmen sich nur 27 Prozent der Fach- und Führungskräfte regelmäßig bewusste Auszeiten von der digitalen Kommunikation.

Analog schlägt digital

Die Umfrage zeigt ebenso die Bedeutung analoger Kommunikationsformen auf. So nennen die Fach- und Führungskräfte physische Meetings und gemeinsame Brainstormings als das wichtigste Format (32 Prozent), um innovative Ideen zu entwickeln, gefolgt vom schnellen Austausch auf dem Flur bzw. im Großraumbüro (17 Prozent).

Das Nutzen von Internetforen oder digitalen Innovationsplattformen, die das Unternehmen eingerichtet hat, wird mit acht bzw. sechs Prozent hingegen als kaum hilfreich eingeschätzt.

Geht es um den Austausch mit dem Chef, bevorzugen 51 Prozent der Fach- und Führungskräfte auch im digitalen Zeitalter die direkte Kommunikation, die von 91 Prozent der Befragten auch als Zeichen besonderer Wertschätzung betrachtet wird.

An Silicon-Valley-Trends orientieren

Insgesamt gilt, so Taapken: „Unternehmen sollten sich wieder stärker um die erfolgreiche analoge Kommunikation kümmern, statt permanent neue digitale Tools einzuführen.“

Dabei handelt es sich um eine Erkenntnis, die laut dem Experten im Silicon Valley bereits um sich gegriffen hat: Hier legen gerade hochinnovative Start-ups, die den klassischen Firmen in Sachen Digitalisierung weit voraus sind, extremen Wert auf die räumliche Nähe und den persönlichen Austausch unter ihren Mitarbeitern.