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Unternehmer-Knigge: Darf ich Mitarbeiter nach Feierabend und im Urlaub anrufen?

FOTONACHWEIS
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Zunächst einmal sollte man als Chef wissen, dass Arbeitnehmer grundsätzlich nicht verpflichtet sind, Anrufe nach Feierabend anzunehmen. Niemand muss rund um die Uhr erreichbar sein. Das regelt das Arbeitszeitgesetz: Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten und darf nur dann auf maximal zehn Stunden ausgeweitet werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten (bzw. 24 Wochen) im Durchschnitt nicht mehr als acht Stunden pro Werktag gearbeitet wird. Anderslautende Klauseln im Arbeitsvertrag können vor Gericht leicht angefochten werden. Auch an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen dürfen Mitarbeiter laut dem Arbeitszeitgesetz nicht beschäftigt werden. Sie sind auch nicht dazu verpflichtet, Anrufe entgegen zu nehmen. Ausgenommen davon sind Tätigkeiten, die nicht an Werktagen verrichtet werden können und Berufsgruppen wie Feuerwehrleute oder Krankenschwestern. Aber auch für diese gilt: Wurde kein Bereitschaftsdienst vereinbart, dann ist Feierabend Feierabend.

Viele Mitarbeiter stehen dennoch bereit

Trotz dieser eindeutigen Regelung haben viele Angestellte auch nach Dienstschluss ein offenes Ohr für ihren Chef. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom lesen mehr als die Hälfte (58 Prozent) auch im Sommerurlaub Kurznachrichten wie SMS oder WhatsApp. Ebenso viele sind telefonisch erreichbar. Fast vier von zehn Angestellten lesen freiwillig berufliche Mails im Urlaub.

Wichtig ist, dass die Mitarbeiter sich dabei nicht unter Druck gesetzt oder ausgenutzt fühlen. Sie sollten wissen, dass sie gesetzlich keineswegs zu dieser Erreichbarkeit verpflichtet sind, sondern freiwillig handeln. Hilfreich sind hier genaue Absprachen, in denen der Chef klar macht, wann und wie er wirklich Hilfe benötigt und Erreichbarkeit von Vorteil wäre. Entsprechend sollte er sich für ein Entgegenkommen der Mitarbeiter erkenntlich zeigen.

Führungskräfte und Positionen mit besonderer Verantwortung

Je nach Aufgabenbereich im Unternehmen wird eine Erreichbarkeit auch außerhalb der Dienstzeit wichtiger oder weniger wichtig sein. Wer viel Verantwortung trägt und dafür auch entsprechend höher vergütet wird, sollte in Notfällen auch nach Dienstschluss erreichbar sein. Jedoch sollten auch Führungskräfte im Urlaub möglichst einmal abschalten.

Gut geplante Übergaben, die Fähigkeit zu Delegieren und eine ausreichende Zeit für die Urlaubsvorbereitung können den Erholungseffekt deutlich steigern. Generell gilt für die Urlaubszeit (auch bei Führungskräften), was das Bundesarbeitsgericht vorgibt: Der Arbeitgeber darf nur bei „zwingenden Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“ anrufen (Az. 9 AZR – 405/99). Allerdings gilt dies in der Schärfe nur für die Zeit, in der Mitarbeiter ihren gesetzlichen Mindesturlaub genommen haben (Bundesarbeitsgericht, Az. 9 AZR – 405/99). Bei darüber hinaus gehenden vertraglich vereinbarten Urlaubstagen darf der Arbeitgeber die Mitarbeiter nämlich aus dem Urlaub zurückrufen, ohne dass die Existenz der Firma bedroht ist. Um Streit zu vermeiden, empfiehlt es sich, mit den Mitarbeitern zu klären, ob ihr nächster Urlaub zum gesetzlichen Mindesturlaub zählt oder nicht.