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Studie: Fast die Hälfte der deutschen Konzerne will sich von Firmenteilen trennen

FOTONACHWEIS
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46 Prozent der deutschen Konzerne wollen sich in den kommenden zwei Jahren von Unternehmensteilen trennen. Weltweit planen dies nur 43 Prozent.

Das ist ein Ergebnis der Global Corporate Divestment Study der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die weltweit mehr als 900 Konzerne befragt wurden, davon 72 aus Deutschland.

Die wichtigsten Faktoren für ein Divestment

Die Ursachen liegen laut Ernst & Young vor allem in den makroökonomischen Faktoren – also beispielsweise Schwankungen bei Währungen und Rohstoffpreisen.

  • Diese waren für 67 Prozent der deutschen Unternehmen ausschlaggebend für das letzte große Divestment, also für die Abtrennung von Unternehmensteilen.
  • Auch global war dies der wichtigste Punkt: 62 Prozent der Unternehmen trennten sich vor allem deshalb von Unternehmensteilen.
  • Deutsche Unternehmen sehen auch weltweiten Protektionismustendenzen als wichtigen Grund an (51 Prozent), ein Divestment zu tätigen.
  • International nennen die Unternehmen dagegen eher den technologischen Wandel bzw. die Digitalisierung als zweitwichtigsten Grund.

Nicht überhastet verkaufen

Alexander Kron, Leiter des Bereiches Transaktionsberatung bei EY: „Die Bereitschaft der Unternehmen zu radikalen Eingriffen in ihr Geschäftsmodell ist hoch. Bei den Entscheidungen für oder gegen ein Investment spielt immer ein ganzes Bündel von Faktoren eine Rolle und nicht nur ein Punkt alleine.“

Der Hauptgrund für Divestments sei jedoch die zunehmende weltweite Unsicherheit, ergänzt Carsten Kniephoff, Partner und Divestiture Advisory Services Leader bei EY: „Währungsschwankungen sowie politische Entscheidungen wie der Brexit oder die mögliche Abschottung wichtiger Märkte vom Freihandel stellen Standorte und Geschäftsfelder in Frage. Allerdings sollten Unternehmen nicht zu überhastet darauf reagieren.“

Für deutsche Unternehmen steht Schnelligkeit im Vordergrund

Offenbar hatten es in der jüngsten Vergangenheit vor allem die deutschen Unternehmen angesichts der hohen Volatilität eilig:

  • Für 56 Prozent stand Schnelligkeit beim Verkauf von Unternehmensteilen im Vordergrund.
  • 44 Prozent achteten eher auf den erzielbaren Wert beim Divestment. Weltweit war das Verhältnis umgekehrt: Für 69 Prozent stand der Wert im Vordergrund, nur für 31 Prozent kam es auf Schnelligkeit an.
  • Alles in allem bewerten die deutschen Unternehmen ihre jüngsten Verkäufe überwiegend positiv. 62 Prozent sagen, dass sich der Verkauf für sie gelohnt habe.