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Portraits

Martina Hexamer: Individuelle Damenmode aus Ostberlin

FOTONACHWEIS
©Kugland & Paduch Modedesign UG

Weit im Osten der Stadt, in einer ruhigen Seitenstraße am Rande des Tierparks Friedrichsfelde hat die Firma Kugland&Paduch ihren Sitz. Von hier aus wird pro Winter- und Sommersaison neue Damenoberbekleidung an Vertriebspartner und ausgesuchte Einzelhändler versendet. Die Kollektion für diesen Sommer ist luftig, leicht, ein wenig verspielt. Im Programm finden sich zum Beispiel ein in hellen Farben gehaltenes Shirt mit maritimen Motiven zu einer knallroten Dreiviertelhose oder ein ärmelloses, mintgrünes Kleid mit klarer Linie und femininer Silhouette, Merkmale die typisch sind für die Kreationen von Martina Hexamer, deren Zielgruppe Frauen ab 30 sind.

Die gebürtige Dresdenerin  promovierte an der Humboldt-Universität in persischer Literatur, sammelte durch verschiedene selbstständige Vertriebstätigkeiten unternehmerische Erfahrungen, betreute zwölf Jahre lang das Design-Label inco-fashion, eine seit 1999 eingetragene Marke und machte sich 2014 mit ihrer eigenen Modefirma selbstständig. Nach dem Wegfall der alten Firma bot sich eine haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft (UG) als schnellste und am wenigsten komplizierte Gründungsform an. Der Name des kleinen Modeunternehmens geht auf die Geburtsnamen von Martina Hexamer und ihres Mannes René zurück, der sie mittlerweile genauso unterstützt, wie Tochter Nora. So wird die Kugland&Paduch Modedesign UG als klassischer Familienbetrieb mit einer Frau an der Spitze geführt.

„Für den Schritt in die Selbständigkeit war die Betreuung durch das Gründercenter der Berliner Volksbank Gold wert“, sagt Hexamer. „Besonders das persönliche Engagement meiner Beraterin Frau Kujau hat mir genau die finanzielle, fachliche und emotionale Unterstützung ermöglicht, die ich am Anfang gebraucht habe.“ Den Schritt zur eigenen Firmengründung hat Martina Hexamer noch keinen Tag bereut. Natürlich ist das Spektrum an unternehmerischen Herausforderungen gegenüber ihrer vorhergehenden Tätigkeit gewachsen. So läuft beispielsweise die Kollektionserstellung, die Kalkulation und der Vertrieb der jeweils nächsten Saison  parallel zur Planung von Stoffeinkauf und Produktion der jeweils aktuellen Saison. Aber genau das ist für Hexamer auch das befriedigende: Die ganzheitliche Verbindung mit den Produkten, die schöpferische Arbeit. Das und der enge Kontakt zu Partnern und Kunden, die direkte Anerkennung und gegenseitige Wertschätzung.

„Unsere Mode soll toll aussehen und obendrein gut tragbar, pflegeleicht und bezahlbar sein“, sagt die Gründerin, die von Auswahl und Einkauf des Stoffes über Designentwürfe bis hin zur Auslieferung der Ware den kompletten Prozess begleitet. „Einmal in der Woche fahre ich mit neuen Stoffen zu einer familiengeführten Schneiderei in Polen und hole von dort  fertige Ware ab. Das ist jedes Mal aufs Neue aufregend.“

Hexamer probiert alle Musterteile persönlich an, um sicher zu stellen, dass sowohl die Optik als auch der Tragekomfort ihrem Credo entsprechen. Die Stoffe stammen fast ausschließlich aus Deutschland, Frankreich und Italien. Laut der Unternehmerin könne sie so am besten einen hohen Grad an Qualität sowie höchstmögliche Sozial- und Umweltstandards garantieren.

„So setzen wir uns von den großen Ketten mit nahezu identischer Massenware ab, die mitunter zu unmoralischen Preisen angeboten wird“, erläutert die Unternehmerin ihr Geschäftskonzept. „Darüber hinaus haben wir einen engen Kontakt zu unseren Kunden und können auch auf spezielle Wünsche kurzfristig eingehen.“ Nach Hexamers Ansicht kann sich eine kleine Firma wie die Kugland&Paduch Modedesign UG nur behaupten, wenn sie ihren Kunden etwas bietet, was sie sonst nicht ohne Weiteres finden: hohe Standards, individuelle Angebote und direkten Kontakt zum Anbieter.

„Bei uns ist alles überschaubar, transparent und familiär“, sagt Hexamer. „Auf Online-Plattformen werden Sie inco-fashion übrigens nicht finden. Man sollte Mode erleben und Stoffe fühlen. Also am besten offline kaufen.“ Wer einen Einzelhändler mit Mode von Kugland&Paduch in seiner Nähe sucht, erhält in der Regel von Tochter Nora Auskunft. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation ist im Familienbetrieb nämlich zuständig für die Kundenkommunikation. Ihre weiteren Tätigkeitsbereiche sind Forderungsmanagement und – typisch für die jüngere Generation – IT.

René Hexamer arbeitete nach einem Diplom in Südasienwissenschaften 25 Jahre betriebswirtschaftlich in der  Modebranche. Entsprechend ist er bei Kugland&Paduch vor allem für die Buchhaltung zuständig und übernimmt außerdem den zertifiziert klimaneutralen Versand aller Modeartikel. „Die Zusammenarbeit gestaltet sich friedlicher, als man meinen würde“, sagt Martina Hexamer über den Familienbetrieb. „Schließlich arbeiten wir alle auf das gleiche Ziel hin. Und jeder hat seine eigenen Kompetenzbereiche.“ Gemeinsamen Urlaub können die drei allerdings nicht machen. „Das ist in so einer kleinen Firma leider unrealistisch“, sagt die Gründerin.

In den nächsten Jahren will die kleine Familie die Firma durch Neuakquise und Stammkundenpflege zukunftsfähig machen. Dabei sollen auch die sozialen Medien zunehmend genutzt werden. Ziel ist es, die Firma eines Tages im bestmöglichen Zustand in die Hände der Tochter zu übergeben.