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Portraits

Neue Brillanz: Stefan Pegatzky überführt historische Fotokunst ins digitale Zeitalter

FOTONACHWEIS

Foto 1:  © Mascha Lohe

Abbildung 2: © Time Tunnel Images

Foto 3: Digital reproduziertes Vintage-Foto aus dem Angebot von Time Tunnel Images © ullstein bild / Cornelius Maschke und Morlind Tumler

 

Als Stefan Pegatzky in Frankfurt ein Studium der Germanistik und Philosophie begann, war von der digitalen Revolution noch keine Rede. Nach der Promotion gelangte er 1999 ins Verlagsgeschäft. Er arbeitete einige Jahre als Lektor und Programmleiter im Henschel Verlag in Berlin, dann wechselte er zum Musikverlag Schott. In dieser Zeit konnte er den technologischen Wandel im Zeitraffer erleben.

Laien halten die Verlagsarbeit häufig für beschaulicher als sie ist. Tatsächlich geht es hier mehr denn je um Zahlen, Etats, Businesspläne. Bei Schott in Berlin musste Pegatzky zuletzt vor allem die Digitalisierung des Sortiments begleiten, er schrieb häufig Geschäftspläne, um Strategien für die digitale Welt zu erkunden. Der Gedanke, künftig immer weniger mit dem klassischen Buch zu tun zu haben, behagte ihm allerdings nicht. Andererseits: Wenn er sich schon mit Digitalisierung und Businessplänen herumschlug, warum sollte er eigentlich nicht seinen eigenen Businessplan machen?

Seit der Kindheit ist Fotografie eine Leidenschaft

Fotografie ist seit der Kindheit eine persönliche Leidenschaft von Stefan Pegatzky. Als Erwachsener begann er, Fotokunst zu sammeln, später im Beruf hatte er viel mit Bildagenturen zu tun, und er sammelte Erfahrungen mit dem Lizenzgeschäft. Das alles fügte sich zu einer Idee. Pegatzky beschloss, Fotokunst zu reproduzieren – und zwar so, dass historische Fotos, etwa aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, in ganz neuer Brillanz entstehen würden. Das Mittel dazu ist die digitale Technik. Jene Technik, die ihm das Büchermachen verleidet hatte, paradoxerweise.

Historisch-künstlerische Fotos werden in Galerien gemeinhin als Vintage-Fotos angeboten. Sie bilden Beschädigungen des Negativs mit ab, sind häufig in schlechtem Erhaltungszustand und wurden mit den begrenzten technischen Mitteln ihrer Zeit hergestellt. Stefan Pegatzky hatte die Idee, alte Fotos digital zu reproduzieren und in limitierter Auflage als Fine-Art-Drucke in Museumsqualität anzubieten. Dazu werden Negativ-Originale gescannt, digital bearbeitet und auf High-End-Druckern geprintet. Im Ergebnis kommt dann ein analoges Medium heraus: Eine Fotografie auf Papier. Was eine schöne Pointe ist, wenn man zwar digital versiert, aber doch Anhänger der traditionellen Medien ist.

Der Unternehmer residiert im Kreuzberger Kiez

Als Ästhet und ehemaliger Ästhetik-Dozent hat Pegatzky mit seiner Firma Time Tunnel Images eine klare Mission: „Ich will historische Bilder so zeigen, wie man sie noch nicht gesehen hat. Wir werden mit Bildern zugeschüttet. Es wird Zeit, dass wir wieder lernen, genauer hinzuschauen“, sagt er.

Eine Abfindung von seinem ehemaligen Arbeitgeber und ein Gründerkredit von KfW und Berliner Volksbank halfen bei der Finanzierung des Projekts. Pegatzkys Büro liegt in einem Gewerbehof nahe dem Schlesischen Tor, es ist praktisch und relativ bescheiden – Laufkundschaft gibt es nicht, der Vertrieb läuft über das Internet oder Verkäufe in Partnerinstitutionen. Die meisten Mittel seien ins Corporate Design und den Webauftritt geflossen, wie Pegatzky sagt. Seine Zukunftsvision ist konkret: „Ich will der führende Anbieter für historische Fotografie werden“. Dazu braucht es zweifellos ein hochwertiges Firmenimage. Geschmack verpflichtet – auch den Unternehmer selbst, der Visitenkarten und Broschüren in höchster Qualität herstellen lassen muss, um zu überzeugen.

Eine Aufgabe, die viel Abwechslung bringt

Stefan Pegatzky, der verheiratet und Vater eines Kindes ist, hat keinen reinen Bürojob. Er ist viel unterwegs, besucht Sammlungen und Institutionen, um Fotomotive zu finden, er schaut häufig bei Druckereien und Fotoagenturen vorbei. Seine Selbstständigkeit bringt ihm auf diese Weise viel Abwechslung. Gelegentlich wird der Unternehmer auch zu seinem eigenen Texter. Denn zu jedem bestellten Fotodruck erhält der Kunde eine Broschüre, die über das Motiv und den zeitgeschichtlichen Hintergrund informiert. Auf seiner Website veröffentlicht er zudem News und Magazin-Beiträge über Geschichte und Fotografie, die knapp und anschaulich ins Thema einführen.

Der Vorteil der Selbstständigkeit, sagt Pegatzky, sei, dass er selbst Entscheidungen treffen und Strategien entwickeln könne. „Diese Autonomie ist ein entscheidender Antrieb“. Natürlich sei die Arbeitszeit weit weniger geregelt, als sie es etwa im akademischen Leben war. „Es gibt Extra-Schichten, manchmal muss man auch ein Wochenende durcharbeiten“, sagt er. Dennoch bleibe genug Zeit für die Familie: „Das geht erstaunlich gut. Man kann Arbeit auch vom Büro nach Hause verlegen.“

Hin und wieder bleibt dem Unternehmer Zeit für eine außerberufliche Leidenschaft: Die Weinkunde. Ein Amateur ist er jedoch auch auf diesem Gebiet keineswegs. In seiner Freizeit schreibt Stefan Pegatzky Weinrezensionen für Fachzeitschriften.